20. September 2010.

Die Vorbereitungen für die Klangwelle auf dem Bonner Münsterplatz laufen. Dabei werden in jeder Nacht auch vier große Himmelsstrahler eingesetzt. Diese so genannten Skybeamer gefährden nach Ansicht von Naturschützern die Zugvögel, die derzeit nach Süden unterwegs sind. Ein Bonner Vogelschützer hat jetzt Anzeige bei der Stadt Bonn erstattet.

Von den meisten Menschen unbemerkt, ziehen derzeit jede Nacht Tausende Vögel über Bonn in südliche Gefilde zum Überwintern. Rotkehlchen, Singdrosseln, Goldhähnchen und viele weitere Arten nutzen den Schutz der Dunkelheit, um an ihr Ziel zu gelangen. Sie orientieren sich dabei an den Sternen und am Erdmagnetfeld. Ihr Orientierungssinn gerät aber völlig aus den Fugen, wenn sie in starkes Licht geraten – wie das von Skybeamern. Die Vögel fliegen dann in völlig falsche Richtungen, kreisen umher, verlieren wertvolle Energie auf dem Zug oder sie prallen orientierungslos an Hindernisse wie hohe Gebäude.

Der Schutz dieser Vögel liegt Heiko Haupt am Herzen. Der Biologe ist Vertrauensperson für Vogelschutz beim Landesamt für Umwelt und beobachtet in dieser ehrenamtlichen Funktion seit Jahren den Vogelzug über Bonn. „Skybeamer und ungerichtete Gebäudeanstrahlungen sind für die meisten Zugvögel fatal. Genau so wird das auch bei der Klangwelle sein. Nur: Die Vögel fliegen meist in Höhen durch das Licht, in denen wir das nicht wahrnehmen.“

Heiko Haupt spricht sich deshalb dafür aus, auf die vier großen Skybeamer bei der Klangwelle zu verzichten. „Die Veranstaltung kann trotzdem stattfinden, wenn alles Licht nur auf den Münsterplatz hin orientiert ist und nicht nach oben in den freien Luftraum abstrahlt. Leider sind die Veranstalter dazu nicht bereit. Findet die Veranstaltung wie geplant statt, wird sie mit dem Leid vieler Vögel erkauft. “Haupt hat mit den Technikern vor Ort gesprochen, aber keine Änderung bewirken können. Bereits Anfang des Jahres hatte er sich an die Verantwortlichen gewandt, aber keine Antwort erhalten. Die Stadt Bonn hat den Klangwellen-Betreibern aufgegeben, die Skybeamer nur senkrecht nach oben auszurichten. „Aber auch daran halten sie sich nicht“, beklagt sich Haupt. In den ersten beiden Nächten wurde das Licht kilometerweit in alle Himmelsrichtungen geschickt. Nun reicht es dem Biologen: Er hat Anzeige erstattet, um die Klangwellen-Betreiber wenigstens zur Einhaltung der Mindestanforderung zu bewegen, selbst wenn das den Vögeln nur ein wenig hilft.

Nach Auskunft der Techniker müssen die Skybeamer bewegt werden, um sie besser justieren zu können. „Das widerspricht aber den Vorgaben der Stadt und der Landesbauordnung“, so Haupt. „Wenn das Justieren nicht ohne Bewegung geht, dann sollten wir ganz auf diese Geräte verzichten. Die Klangwelle wirkt auch ohne sie“, ist er überzeugt. Den Vögeln wäre geholfen, und die Menschen hätten trotzdem ihre Unterhaltung.

Bild: Lichtverschmutzungsopfer aus Bonn: Rotkelchen

Foto: Heiko Haupt

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