B(w)ahnsinns Projekt

Stuttgart 21 schadet überall

4. Oktober 2010.

Depressive Fassungslosigkeit machte sich unter den Mitgliedern des Planungsausschusses breit, als der Geschäftsführer der Zweckverbände Nahverkehr Rheinland (NVR) und des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS), Dr. Norbert Reinkober  am 19. September den Bonner Kommunalpolititern einen Überblick über den Stand und die Aussichten für die schienengebundenen Verkehrsprojekte in der Region gegeben hatte. Eindringlich hatte er er die Notwendigkeit zum Ausbau des bestehenden Netzes auf dem Hintergrund der EU-Vorgaben für den Gütervorrangverkehr und der zu erwartenden Engpässe auf den bestehenden Schienenwegen beiderseits des Rheines erläutert. Doch um die Finanzierung sieht es schlecht aus. Alleine das Projekt Stuttgart 21 würde auf so viele Jahre hinaus so viele investiven Mittel binden, dass eine Finanzplanung hierfür  derzeit undenkbar erscheint.

Der Ausschussvorsitzende und verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Stadtrat, Rolf Beu fasst für rhein:raum die Situation zusammen:

Das Wahnsinnsprojekt Stuttgart 21 schadet auch der Region Köln/Bonn. Mit den für Stuttgart 21 benötigten Milliarden werden Investitionsmittel gebunden, die überall im Bundesgebiet für den dringend notwendigen Schienenausbau im Regionalverkehr fehlen. Zwischen Bonn – Köln – Düsseldorf gibt es keinen Taktverkehr. Die wenigen Regionalzüge sind in der Hauptverkehrszeit so überfüllt, dass sich die Fahrgäste dort wie die bekannten Sardinen in der Sardinendose fühlen. Mit den für Stuttgart 21 reservierten Milliarden könnte zwischen Dortmund – Bochum – Essen – Duisburg – Düsseldorf – Köln – Bonn bzw. Aachen die Schieneninfrastruktur so ausgebaut werden, dass durch den sogenannten RRX (einen beschleunigten Regional-Express) die großen Städte Nordrhein-Westfalens im 10-Minuten-Takt miteinander verbunden könnten – zum Wohle der Fahrgäste. Gleichfalls könnte die Stadt Bonn sowohl links-, als auch rechtsrheinisch an das Kölner S-Bahn-Netz angeschlossen werden.

Die Schaffung eigener Regionalbahngleise in der Region ist auch unverzichtbar, um den Personenverkehr im Rheinland überhaupt im heutigen Umfang aufrechtzuerhalten. Die Europäische Union hat ein Gütervorrangnetz beschlossen, das eine Bevorrechtigung des internationalen Schienengüterverkehrs sogar vor dem Personenfernverkehr vorsieht. Zwei dieser Gütervorrangkorridore berühren das Rheinland und eine führt durch Bonn (Nordseehäfen – Rheintal – Schweiz – Italien). Dabei sind die beiden durch Bonn verlaufenden Rheintalstrecken schon heute an den Grenzen ihrer Kapazitäten angelangt. Zukünftig müssen die verbleibenden Regionalzüge sich nicht nur dem Personenfernverkehr unterordnen, sondern auch noch jeden internationalen Güterzug passieren lassen. Verspätungen im ungeahnten Ausmaß sind bei der Streckenbelastung ohne Ausbau damit vorprogrammiert. Aber im Gegensatz zu Stuttgart 21 sind reine Ausbauarbeiten halt kein
Vorzeigeobjekt.

Rolf Beu

——

Erste Protestaktionen in Bonn zeigen, dass die bundesweite Tragweite des Projektes Stuttgart 21 auch im Rheinland erkannt worden ist.

Foto: Walter G. Allgöwer/JOKER (Montage)

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