Nicht der Radverkehr, sondern der Autoverkehr gehört auf den Prüfstand

Bürgerhaushalt: Zukunft nicht aus dem Auge verlieren

11. Februar 2011.

Eine kritische Zwischenbilanz zieht der ADFC-Kreisverband anlässlich der Sparvorschläge zum Bonner Bürgerhaushalt 2011/2012, die noch bis zum 16. Februar im Netz gemacht werden können. Nach Einschätzung des ADFC führt die wahllose Sammlung von Sparvorschlägen zu bisweilen absurden Situationen, sodass beispielsweise vor dem Hintergrund von 1,8 Millionen Euro zur Unterhaltung und Verbesserung des Straßentunnels in Bad Godesberg in diesem Jahr und jährlich einer Million Euro ab 2013 in den Foren über die Streichung von Fahrradabstellanlagen zum Preis von 3.000 Euro gestritten wird. Es genügt nicht, einfach nur Sparvorschläge im Netz einzusammeln. Die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen muss ganz klar ihre Prioritäten für die Zukunft der Stadt und die Entwicklung des Verkehrs zur Debatte stellen.“

„Es besteht die Gefahr, dass ein für die Zukunft unserer Stadt so wichtiges Ziel wie die Radverkehrsförderung unter die Räder kommt, während Millionensummen weiterhin in alte Strukturen gepumpt werden“, kritisiert der 2. ADFC-Vorsitzende Rüdiger Wolff. Das zeigt sich auch an der Diskussion im Internet unter anderem an dem Plan der Stadt Bonn, bis 2020 Fahrradhauptstadt von NRW zu werden, bedauert Wolff. „Die dafür veranschlagten Investitionen werden lebhaft diskutiert. Dieses Vorhaben ist jedoch richtungweisend für eine moderne, umwelt- und menschenfreundliche Verkehrspolitik. Über die Streichung der einzigen Stelle im Planungsamt, die die Radverkehrsvorhaben koordiniert, wird im Netz gestritten. Zukunftsweisende Radverkehrspolitik ist ohne starke personelle Besetzung dieses Bereichs jedoch völlig unmöglich. Die moderne Entwicklung in anderen Städten Deutschlands und im Ausland wird an Bonn vorbeigehen, wenn hier nicht ein Umdenken einsetzt. Bei Radtouren ist man immer wieder erstaunt, wie weit andere Städte Bonn voraus sind“, so Wolff.

„Radverkehrsförderung wird in den Foren zum Bürgerhaushalt als freiwillige Leistung bezeichnet“, kritisiert der ADFC. „Diese Einstellung ist nicht nachvollziehbar. Radverkehr ist dem Autoverkehr gleichberechtigt, folglich wären auch Maßnahmen zur Verbesserung des Autoverkehrs als freiwillige Leistung einzustufen. Eine enge, historische Stadt wie Bonn kommt gar nicht um die Förderung umweltfreundlicher Verkehrsarten wie Rad- und Fußgängerverkehr herum. Noch mehr Autos kann Bonn nicht mehr aufnehmen“, so Wolff. Schon heute ersticken die Hauptachsen im Autoverkehr, viele Wohngebiete leiden unter dem Schleichverkehr, die Schulwege in Bonn werden durch den wachsenden Autoverkehr immer gefährlicher. „Einen Zuwachs des Autoverkehrs kann die Stadt nicht mehr ertragen und muss deshalb in der Verkehrspolitik den Radverkehr mehr berücksichtigen. Das Ziel, Fahrradhauptstadt 2020 von NRW zu werden, ist hierzu hervorragend geeignet.“

Foto: Karl-Heinz Hick/JOKER

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