Einsatzgruppenversorger

Bonn bald auf allen Weltmeeren

19. Juli 2011.

Im Mai 2012 soll das neuste und größte Schiff der Bundeswehr vom Stapel laufen. Der Einsatzgruppenversorger trägt den Namen der Stadt Bonn und wird rund 350 Millionen Euro kosten. Für die Taufe des Schiffes werden im nächsten Jahr Oberbürgermeister Nimptsch, Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière und der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker erwartet, sowie eine Delegation des Freundeskreises Einsatzgruppenversorgers Bonn.

Der Fall Libyen zeigt, dass die Bundesregierung bereit ist Etikettenschwindel zu betreiben und, trotz eines öffentlichen Bekenntnisses gegen eine Beteiligung am Militäreinsatz in Libyen, diesen doch durch die Hintertür unterstützt und seine NATO-Partner mit Munition und Waffentechnolige versorgt. Auch der Panzer-Deal mit Saudi-Arabien unterstreicht wieder einmal, dass die Bundesregierung von wirtschafts und realpolitischen Interessen geleitet ist und den Humanismus hinten anstellt, wohl wissend, dass die Leopard 2 Kampfpanzer wahrscheinlich gegen die Saudische Bevölkerung oder gegen Demokratiebewegungen, zum Beispiel in Bahrain, eingesetzt werden.

Wie werden sich wohl die Bonner vorkommen, wenn Sie eines Tages durch die Medien erfahren müssen, dass ein gewisser Einsatzgruppenversorger „Bonn“ an kriegerischen Handlungen beteiligt ist? Auch wenn dies unter dem Vorwand eines Humanitären Einsatzes ablaufen sollte, sind so genannte Einsatzgruppenversorger in erster Linie dazu bestimmt Truppen im Einsatz zu versorgen. Auch wenn diese mit angeblich gerechten und humanen Motiven handeln, so steht doch jede militärische Konfliktlösung vor dem Dilemma, dass es versucht, Gleiches mit Gleichen zu bekämpfen. Unzählige Beispiele ziviler „Kollateralschäden“ sind bekannt, wie der Vorfall bei Kunduz im Jahr 2009 besonders deutlich gemacht hat, bei dem rund 140 Zivilisten starben.

Für zahlreiche Bonnerinnen und Bonner war es unverständlich, dass der Antrag der Namensgebung nicht vorab im Stadtrat oder gar in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Der daraufhin von der Partei „Die LINKE“ eingereichte Antrag, der einen Verzicht der Namenspartnerschaft forderte, wurde von einem Gegenantrag des Bürger Bund Bonn mehrheitlich zurückgewiesen. Der Bürger Bund Bonn steht der Namensgebung positiv gegenüber und begründet dies damit, dass dadurch „die Verbundenheit der Stadt, in der der Bundesminister der Verteidigung seinen Dienstsitz hat, mit der Bundeswehr nachhaltig zum Ausdruck“ kommt.

Vielleicht hat die Entscheidung, einem Kriegsschiff  den Namen Bonn zu geben, auch damit zu tun, dass man den Verlust des Statuses Bundeshauptstadt immer noch nicht so recht verkraftet hat und durch die Namensgebeung diesen Verlust zu kompensieren sucht. Ganz nach dem Motto „wir waren und sind wieder wer „. Übrigens, der erste Einsatzgruppenversorger wurde nach der aktuellen Bundeshauptstadt Berlin benannt. (Der zweite heißt Frankfurt, nach der Frankfuter Nationalversammlung, der ersten frei gewählten  Volksvertretung auf deutschen Boden)

Das Städte eine Namenspartnerschaft mit Kriegsschiffen eingehen ist nur einer von vielen Versuchen das Militärische und Zivile, selbst auf kommunaler Ebene, weiter zu verflechten und trägt zu einer Remilitarisierung der Gesellschaft bei. So gründete sich auch ein Verein Namens  „Freundeskreis Einsatzgruppenversorger Bonn“, der momentan Spenden sammelt für ein teures Model des Einsatzgruppenversorgers Bonn, das rund 10.000 Euro kosten wird. Dieses Geld könnte man sicherlich sinnvoller anlegen in einer hochverschuldeten Stadt.

Bei genauerer und kritischer Betrachtung bleibt eines festzuhalten. Bonn braucht keinen Namensvetter in der Bundesmarine. Auch wenn es sich „nur“ um einen Einsatzgruppenversorger handelt, der nicht direkt an kriegerischen Handlungen teilnehmen kann, so ist er doch ein wichtiger Bestandteil der Logistik und würde im Erstfall die Kampfbereitschaft eines Flottenverbandes sicherstellen und somit auch eventuell einer Kriegsmaschinerie die Not und Elend verbreitet.

Foto: wikipedia

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