13. November 2011.

Werden Umweltschützer für am Rheinufer gesammelten Müll haftbar gemacht?  Bonn, Beueler Rheinufer – Aufgrund des aktuell niedrigen Rheinpegels und  des guten Wetters fassten zwei Bonner gestern Vormittag den Entschluss, ein Stück  Rheinufer von Müll und Unrat zu befreien. Mit Handschuhen und Mülltüten ausgestattet  waren nach zwei Stunden rund 500 Meter Ufer gesäubert.

Während der Arbeit entwickelte  sich dann die Idee, den Unrat öffentlich auszustellen.  Am Johannes-Bücher-Ufer entstand so ein Müllkunstwerk, und mit Straßenkreide erklärten  die Müllsammler den Passanten ihr Anliegen. Schon während des Aufbaus äußerten viele  Spaziergänger ihre Zustimmung – Empörung über das verschmutze Rheinufer und des  Umgangs der Menschen mit ihrer Umwelt bestimmten die Gespräche.

Allerdings erregt die Aktion offenbar auch Missfallen, denn nach kaum 15 Minuten ist die  Polizei zur Stelle, nach Auskunft der Beamten von Anwohnern gerufen. Die Ordnungshüter  machen deutlich, dass der Müll nicht im öffentlichen Verkehrsraum (in diesem Fall ein  reiner Fußgängerbereich mit zugelassenem Radverkehr) liegen bleiben könne. Einer  Diskussion verweigern sich die Polizisten, statt dessen bestehen sie auf der Aufnahme der  Personalien und der sofortigen Beseitigung des Mülls. Ansonsten drohen sie den  Umweltschützern mit den Kosten für die Reinigung.

Die beiden Müllsammler sind  gezwungen, die Installation umgehend beiseite zu schaffen. Ihnen droht unter Umständen,  in Zustandshaftung genommen zu werden.

„Wir haben so viel Zuspruch durch die Passanten bekommen, da ist es einfach  unglaublich, dass man sich in dieser Weise vor den Ordnungsbehörden für  gesellschaftliches Engagement rechtfertigen muss“, erläutert Ansgar Schneider, einer der  Müllsammler. „Wir hätten uns hier gewünscht, dass derjenige, der die Polizei rief, vorher  mit uns ins Gespräch gekommen wäre.“ „Von Seiten der Polizei erwarte ich außerdem,  dass nicht nur der öffentliche Verkehrsraum geschützt wird, sondern auch unser  Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und die Versammlungsfreiheit.“ ergänzt Mitstreiter  Simon Brücken. Beide zeigen sich enttäuscht vom abrupten Ende der Aktion, hoffen aber auf Nachahmer und darauf, dass die Stadt Bonn den Einsatz zu würdigen weiß.


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