Jung und Alt sind aus dem Häuschen

Historischer Moment: Bonn wird Marinestadt!

30. Juli 2012.

—————-Vorsicht SATIRE—————-

Ganz Bonn jubelt! Noch bevor die Niederlande unter Wasser stehen, liegt Bonn bereits am Meer.

Endlich steht es fest: Für Freitag, den 17. August um 11 Uhr hat der Oberbürgermeister gemeinsam mit dem Freundeskreis Einsatzgruppenversorger zur feierlichen „Übergabe des Modells des Einsatzgruppenversorgers (EGV) Bonn an die Partnerstadt“ eingeladen. Das ist zweifellos ein Jahrhundertereignis. Nicht nur für Modellbauer und Militärfetischisten. Nein für ALLE! Groß und Klein, Jung und Alt, Dumm und Dümmer, für jeden ist was dabei.

Denn wie groß die Ehre ist, als Stadt Namensgeber eines 350 mio. Euro teuren Kriegsschiffes sein zu dürfen, wird schnell deutlich, wenn man sich die offizielle Bekanntmachung des freudigen Ereignisses auf der Homepage des Freundeskreises Einsatzgruppenversorger durchliest.

Dort heißt es spitzfindig formuliert.:

„Wer bisher von Bonn sprach, meinte damit meistens die ehemalige Bundeshauptstadt bzw. die Bundesstadt, die Beethovenstadt, die Universitätsstadt oder die VN-Stadt. Seit kurzem kommt ein weiteres Markenzeichen hinzu: Die Marinestadt.“

Genau!(!) Obwohl außerhalb Bonns niemand von „der Beethovenstadt“ spricht muss das ja andersrum nicht genauso gelten. (Beethoven hat Zeit seines Lebens in Wien gewirkt, nun ja, fairerweise muss man zugestehen, dass in Bonn immerhin seine Mutter der Schwindsucht erlegen ist und der Vater sich hier um Kopf und Kragen trank. Aber nur weil sich Sid Vicious mal am Kottbusser Tor übergeben hat, ist Berlin noch nicht umbenannt worden)

Mit Stadtgeschichte kennen sich die Fans der Marine aber dann doch aus.  Bonn war mal Bundeshauptstadt? Stimmt, da war doch was. Aber dieser Zeitgeist des ewiggestrigen gehört abgeschüttelt.

Es gilt natürlich, die eigene Geschichte am Leben zu halten, die Kontinuität ins Heute und Jetzt ist dabei jedoch Kernstück jeder Erinnerungspolitik. Nicht umsonst verweist der Freundeskreis daher stolz darauf, dass sich „Bonn nunmehr erstmals auf der Liste der Schiffsnamen aller deutschen Marinen seit 1848 wiederfindet“

Der Verein macht völlig zu Recht darauf aufmerksam, dass die Übergabe des Schiffsmodells nun ein enges Band der Verbundenheit zwischen der Stadt Bonn und der Schiffsbesatzung herstellt. Die Bonner und Bonnerinnen sind angehalten, diese „lebendige“ Verbindung aufrechtzuerhalten, auf dass die „Patenstadt stolz auf ihr Patenschiff und dessen Besatzung“ blicken kann.

Dies gilt umso mehr, als dass Bonn als historischer Ort, an dem die Gründerväter seinerzeit das Grundgesetz in den Druck gaben, ein Symbol darstellt, das „weltweit sichtbar an die demokratische Verfassungstradition in Deutschland“ erinnern soll.

Das mag zwar nicht unmittelbar einleuchten, warum ausgerechnet ein Kriegsschiff der Marine, das weltweit sichtbar auf den Meeren dieser Erde schippert, ein Symbol für die „Verfassungstradition“ der Bundesrepublik sein soll, liegt aber offensichtlich nur daran, dass sich der Verein mit der Forderung nach einem Schriftzug auf dem Heck nicht durchsetzen konnte.

Der Artikel 26 des Grundgesetzes, gut sichtbar in schwarz-rot-goldenen Lettern am Schiffsrumpfs angebracht, hätte ein wahres Symbol für Geschichtsbewusstsein, Kontinuität und einen optimistischen Ausblick in die Zukunft sein können.

Doch dieser kleine Mangel kann an dem weltpolitischen Gewicht der Stadt nicht rütteln.

Man wird nicht einfach Univeritätsstadt. Dafür braucht man eine Universität. Damit die Bewohner Bonns aber nicht verpassen, dass ihre Heimat inzwischen zur Marinestadt aufgestiegen ist, kommt jetzt das Schiffsmodell, das fortan im Stadtfoyer vor Anker gehen soll.

Man muss eben manchmal daran erinnert werden, wie großartig man eigentlich ist. Ob die läppischen 10.000 Euro, die das Modellschiff gekostet hat, dafür ausreichen, wird sich herausstellen.

Wie Kafka einst anmerkte, lernt man das Matrosenleben allerdings nicht durch Übungen in einer Pfütze. Konsequent wäre es daher, nicht eher nachzugeben, bis Bonn auch ein echtes Beiboot, zum Beispiel mit Namen „Beuel“, hat. Das Beiboot könnte dann im Rathaus ausgestellt werden oder als Turngerüst auf Kinderspielplätzen dienen.

In Zeiten digitaler Werbung und Alten Menschen, die sich keine neuen Sehgläser leisten können, haben sich Litfasäulen außerdem überlebt. An ihrer Stelle könnte das Modell einer Schiffsschraube im Maßsatb 1:1 die  symbolische Antriebskraft einer ganzen Stadt und ihrer Bevölkerung zur Schau stellen. Diese könnte dann beispielsweise das gesellschaftliche Zentrum eines Stadtparks oder eines öffentliches Platzes bilden.  Alexanderplatz und Weltuhr würden erblassen vor Neid.

Um das ganze etwas authentischer zu gestalten, müsste dann nur noch die Taubenscheiße durch echt maritime Möwenkacke ersetzt werden. Ferner könnte eine 24 Stunden Live-Webcam Schaltung von Schiffsschraube-Park zur Kommandozentrale der „Bonn“ via Scype auch die verlorenen Söhne und Töchter – statt für fiktive und jugendgefährdende Ego-Shooter – endlich wieder für die richtige Schiffsfahrt und richtige Männerbünde begeistern.

Was wären das für Bilder! Gerührte Bonner und Bonnerinen, die Taschentücher schwenkend „ihr Patnerschiff“ beim Auslaufen verabschieden. Morgens zwischen Kiosk, Kaffee und Kippe. An öffentlichen Plätzen. In Bonn.

* Nur nochmal zur Verdeutlichung: Bei dem obigen Text handelt es sich um Satire.

**(Lieder) keine Satire ist:  Die Übergabe des Schiffsmodells findelt tatsächlich am 17. August um 11 Uhr im Stadthausfoyer, Berliner Platz statt.

Das Modell kostet wirklich 10.000 Euro. Wer das nicht glauben kann, ist herzlich eingeladen, diesem Spektakel beizuwohnen.

Bonn liegt immer noch am Rhein. Die Bonn zum Glück noch vor der Werft in Emden.

In diesem Sinne, Petri-Dank.

Zur Person: Robinson C. ist freiberuflicher Querulant und ist selber schon mal auf einem Schiff gefahren.

Foto: Im Bild nicht das Schiff "Bonn", sondern die Titanic, Foto: (c) wikipedia

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