Übergabe des Schiffsmodells von Protesten begleitet

Patenschaft besiegelt

17. August 2012.

Das Schiffsmodell des Einsatzgruppenversorgers „Bonn“, das im Rahmen der Patenschaft (Rheinraum berichetete ) im Stadthaus ausgestellt werden soll, wurde heute um 11 Uhr im Stadthaus mit einer kleinen Feierstunde der Öffentlichkeit übergeben. Neben den zahlreichen Gästen der Marinekameradschaft war auch aktive der Friedensbewegung dabei.

Mit diesem symbolischen Akt der Übergabe gewinnt die Stadt eine neue Facette der Außenwirkung. Das Friedenspolitische Engagement ist fortan durch eine (sehr) große  Spannweite gekennzeichnet. Von den „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) für die weltweite Ächtung und Abschaffung von Atomwaffen bis hin zur Patenschaft für eines der größten Schiffe der Bundesmarine. Ein Versorgungsschiff im weltweiten Einsatz zur Sicherung von Handelswegen und damit der Durchsetzung von deutschen Exportinteressen.

Dass die Bevölkerung inzwischen aufgefordert wird, sich für eine Marine-Partnerschaft zu begeistern und „stolz auf ihr Patenschiff und dessen Besatzung“ sein soll, ohne mit den politischen Hintergründen der Einsätze konfrontiert zu werden, stößt bisher nur auf verhaltene Kritik.

Kritik an Auslandseinsätzen der Bundeswehr wird seit längerem mit der Aufforderung, die Leistung der deutschen Soldaten anzuerkennen, beiseite gewischt. Bei Günther Jauch wird sich der Traumatisierung von Afghanistan-Rückkehrern angenommen, die traumatisierten oder getöteten Zivilisten kommen in der Debatte dagegen kaum vor. Politiker aus Unionskreisen werden nicht müde zu betonen, wie positiv die Kombattanten anderer europäischer Länder in der eigenen Bevölkerung wahrgenommen werden, während es hier für die deutschen Soldaten angeblich nur Spott gibt.

Es wird der Eindruck erweckt, als komme die fehlende Anerkennung für das, was die Soldaten leisten, einer Respektlosigkeit gegenüber denjenigen gleich, die schließlich von demokratisch gewählten Volksvertretern entsandt wurden. Im Grunde bedeutet diese Auffassung: Wer den Afghanistankrieg als Falsch, die „Fortschritte“ als mangelhaft entlarvt, wer verneint, dass „unsere“ Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird, der wertet die „Leistung“ der Bundeswehr faktisch ab.

Dass eine pazifistische Position letztlich jedoch das Wohlergehen der Soldaten und Soldatinnen sicherstellt, wird dagegen ausgeblendet. Von „Helden“ zu sprechen, wie es der frühere Minister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg, seinerzeit zu tun pflegte, ist angesichts der verheerenden Bilanz des Afghanistaneinsatzes jedenfalls kaum einforderbar.

Es kratzt automatisch am Bild des potentiellen Helden, der sein Leben zwar riskiert, aber aus Sicht der Bevölkerungsmehrheit nicht in den „gerechten Krieg“ sondern für geostrategische Interessen, Absatzmärkte, Bodenschätze und Machteinflusszonen ins Feld zieht.

Es ist zynisch die Unterstützung für Auslandseinsätze zur Frage über die Unterstützung für die Soldaten und Soldatinnen zu erklären. Eine Wertschätzung der Männer und Frauen als Persönlichkeiten und Menschen ist auch gegeben, wenn sie abgezogen und nicht grundlos der Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt werden. Was einigen in der öffentlichen Debatte offenbar vorschwebt, ist die „Unterstützung“ der Soldaten (was auch die Betonung der Leistung ihrer Arbeit einschließt) unabhängig vom inhaltlichen Kontext der Arbeit zur Bürgerpflicht zu verklären.

Der unpolitische Patriotismus, nicht zuletzt von dem „Bundespräsident der Herzen“ Joachim Gauck forciert, schleicht sich leise ein. Die Debatten der letzten Jahre um Veteranendenkmäler und Ehrenmedaillen haben den Anfang gemacht. Dieser bedingungslose Patriotismus wird im Kleinen sichtbar und zeigt sich in der Patenschaft der Stadt Bonn für ein Kriegsschiff der Marine.

So mag es zumindest verwundern, warum eine Stadt, die sich einer friedenspolitischen Initiative (Mayors for Peace) verpflichtet fühlt, diesen Ruf so leichtfertig zu verspielen bereit ist. Die symbolische Patenschaft mit dem Truppeneinsatzversorger „Bonn“ kratzt jedenfalls am Image der friedliebenden Stadt. Gruppen aus der Friedensbewegung protestierten gegen die Patenschaft. Sie sehen in der symbolischen Verbindung eine Tendenz zur Militarisierung der Gesellschaft.

Mit einem breiten Banner demonstrierten die Gegner der Patenschaft vor dem Foyer gegen die Veranstaltung, an der neben Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch auch Mitglieder des Freundeskreises Truppeneinsatzversorger und Angehörige der Schiffsbesatzung teilnahmen. Sie forderten: Kein Kriegsschiff in unser Stadthaus!

Ein solche Patenschaft passe nicht zur internationalen UNO-Stadt mit den vielen Institutionen und Organisationen, die sich der friedlichen weltweiten Zusammenarbeit verpflichtet haben, wie Mani Stenner vom Netzwerk Friedenskooperative erklärt. Gerade vor dem Hintergrund der unzähligen gescheiterten Versuche, ein Denkmal zur Erinnerung an die Wehrmachtsdeserteure aufzustellen, stößt die Aufstellung des Schiffsmodells an einem so prominentem wie symbolträchtigen Platz bei vielen friedenspolitischen Initiativen auf Widerstand.

Anlässlich der feierlichen Enthüllung des Schiffsmodells hat sich bereits ein neues Bündnis von Aktivisten gegen die Militarisierung der Gesellschaft gegründet.

„Bonner quer gegen Militär“ wollen auch künftig gegen die schleichende Militarisierung der Gesellschaft, gegen Bundeswehrwerbung in Bonner Schulen oder öffentliche Auftritte zur Rekrutenwerbung aktiv werden.


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