20 Jahre "Beueler Initiative":

Jubiläum gegen Rassismus und Gewalt

31. Oktober 2012.

Die Nachrichten mit Bildern der brennenden Häuser erschütterten ganz Deutschland. Als vor 20 Jahren nach dem tagelangen Pogrom in Rostock-Lichtenhagen weitere Brandanschläge gegen Wohnhäuser von Flüchtlingen oder Migranten erfolgten, standen überall in Deutschland junge und alte Menschen auf, um Zeichen zu setzen gegen Fremdenhass und Gewalt. So auch in Bonn und in Beuel.

Am 29. Oktober 1992 – heute vor 20 Jahren – folgten an die 200 Beuelerinnen und Beueler der Einladung für die Beratung gemeinsamen Handelns. Der gebuchte Raum erwies sich als hoffnungslos zu klein. Auch der Umzug in größere Räume verhinderte nicht, dass viele Interessierte nicht unmittelbar teilnehmen konnten, sondern vor dem Haus mitdiskutierten. An diesem Abend gründete sich die Beueler Initiative gegen Fremdenhass.

Seither ist die Beueler Initiative ein fester Bestandteil des Beueler politischen Lebens: Mit Flugblättern, Plakaten, Informationsständen und Veranstaltungen mischten sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Konfliktsituationen ein und warben für Verständnis und Respekt, gegen Fremdenfeindlichkeit, die oft aus Unkenntnis entsteht. Daneben leisteten sie konkrete Unterstützung für Ratsuchende und boten das Kennenlernen im Café International an.

Das umgewandelte Beueler Wappen im Logo der Initiative zeigt das Schiff belebt mit Passagieren. Die Botschaft: Vielfältig und gleichwertig soll das Leben in unserem Stadtteil sein.

Von Anfang an verband die Initiative ihr Eintreten gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit dem Gedenken der Opfer von Rassismus und Terror während der Nazi-Zeit. Mit den alljährlichen Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht am 9. November 1938, der Umgestaltung des Synagogenplatzes, der Spurensuche, die die Opfer des Nazi-Terrors vorstellbar machte und zu Stolpersteinen in den Beueler Straßen führte und schließlich mit ihrer Ausstellung und Dokumentation der Erinnerungsorte in Beuel trug die Beueler Initiative wesentlich zur Schaffung einer lebendigen Erinnerungskultur im Stadtteil bei.

Auch 20 Jahre nach ihrer Gründung gibt es leider genügend Gründe, weiter zu machen und gegen Fremdenhass aufzustehen. Der furchtbarste Grund war die im letzten Jahr bekannt gewordene Mordserie von Naziterroristen und die fragwürdige Rolle von Behörden in diesem Zusammenhang.

So beteiligte sich die Initiative tatkräftig am Bündnis „Bonn stellt sich quer“ und zeigte am 1. Mai gemeinsam mit Tausenden, dass Nazis im bunten Beuel unerwünscht sind.

Und so lädt die Initiative auch 2012 am 9. November wieder ein zum Gedenken der Opfer von Rassismus und Gewalt, um zu mahnen und den Brandstiftern und Mördern von damals und heute die zum Widerstand entschlossene demokratische Gesellschaft entgegen zu stellen.

Später im November 2012 wird es aus Anlass des Jubiläums einen Feier-Abend geben, zu dem ehemalige und heutige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusammen kommen.

Stichworte zur Arbeit der Beueler Initiative:

Seit November 1992 mindestens einmal im Monat: Plenum mit Diskussionen zu aktuellen Themen (z. B. finanzielle und rechtliche Lage von Flüchtlingen und deren Unterstützung; Benachteiligung von Migranten in Schule und Beruf, bei Wohnungssuche und im Alltag; Auseinandersetzung mit fremdenfeindlichen Schriften und Kampagnen; Beschäftigung mit dem Islam und der Islamfeindlichkeit, mit Antisemitismus, dem Holocaust und den Naziverbrechen in Beuel sowie mit der Schaffung einer örtlichen Erinnerungskultur; Konflikte, Kriege, Hunger und Armut in der Welt als Motive, in Deutschland Asyl zu suchen)

Seit November 1992 mehrmals im Jahr: Informationsstände zu verschiedenen Themen mit Flugblättern und Gesprächen im Beueler Zentrum.

Seit Februar 1993 mehrmals im Jahr: Café International (in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchengemeinde Beuel-Mitte und in deren Räumen in der Neustraße) als offenes Zusammensein von Kindern und Erwachsenen zu Gesprächen und Spiel.

Seit November 1993 alljährlich: Gedenken der Opfer von Rassismus und Gewalt / Schweigegang und Kundgebung am Jahrestag der Pogromnacht 9./10.11.1938, seit 2004 mit abschließender Veranstaltung im Jungen Theater Bonn, für die jeweils Schulklassen oder andere Gruppen von Jugendlichen Szenen und Lesungen zum Thema vorbereiten. Seit 2006 Ausstellung „Wider das Vergessen – Erinnerungsorte in Beuel“ als Wanderausstellung im Rathaus, in Schulen und Bibliotheken, begleitet durch einen ausführlichen und mehrmals aktualisierten Katalog.

Seit 1994 alljährlich: Wochenendtreffen in Hirzlei mit ausführlichen Diskussionen und Planungen.

Langjährige Angebote:

Deutschunterricht für Frauen (mit Alphabetisierung), mit Unterstützung durch Lernpartnerinnen und gleichzeitiger Kinderbetreuung für Kleinkinder, gemeinsam mit dem Bildungswerk Friedensarbeit (2000 bis 2011), Schwimmunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund (1995 bis 1999).

Foto: Wolfgang Zimmer

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