22. Januar 2013.

In der Sitzung des Bonner Stadtrats im Dezember hat die schwarz-grüne Ratskoalition die Einführung eines öffentlichen Fahrradverleihsystems als Teilprojekt des Konzeptes „Fahrradhauptstadt 2020“ beschlossen. Doch neu ist diese Idee nicht, schon vor zwei Jahren lag der Vorschlag vor, jetzt soll das System am ersten August 2013 mit bereits 50 Stationen an den Start gehen, bald dann sogar auf dem gesamten Stadtgebiet! Momentan umfasst der geplante Einzugsbereich die Bonner Innenstadt mit den südlich angrenzenden Stadtteilen bis nach Dottendorf/Rheinaue und dem Venusberg. Ebenso soll der Beueler Kernbereich bis zur Südbrücke abgedeckt werden, so dass maximal 500 bis 600 Fahrräder zur Verfügung stehen.

Fahrradverleihe kennt man schon, doch seltener als integriertes Verkehrsmittel im öffentlichen Nahverkehr sondern als Fortbewegungsmittel von Touristen in Ferienregionen wie zum Beispiel auf der Insel Usedom, wo es gleich mehrere private Fahrradanbieter gibt. Auch die Deutsche Bahn bietet an einigen Bahnhöfen ihren „Call a Bike“ Service an. Doch seit einigen Jahren gibt es auch in einigen deutschen Städten öffentliche Fahrradverleihsysteme, so zum Beispiel „Konrad“ (Kassel-on-Rad). Dort stehen seit März 2012 auf 50 Stationen 500 Fahrräder zur Verfügung. Die Anmeldung zur Nutzung vor Ort erfolgt per Telefon, die Nutzung kostet 50 Cent pro angefangene 30 Minuten und maximal 10 Euro am Tag.

Doch die Vorbilder, wie so oft im Radverkehr, kommen aus dem Ausland. Der Bonner Heiner Monheim ist emeritierter Professor für Raumentwicklung und Landesplanung an der Universität Trier und veröffentlichte über „Fahrradverleihsysteme in Deutschland“.

http://www.ostfalia.de/export/sites/default/de/ifvm/download/6SFM/Vortrag-Monheim.pdf

Als Paradebeispiel führt der Experte ›Vélib‹ in Paris an. Vélib wurde mit seinen 21.000 Rädern an ca. 1.400 Stationen, überwiegend an ÖPNV-Haltestellen erfolgreich eingeführt. Die gelungene Eingliederung in das Nahverkehrsnetz wurde ins Besondere durch 500 Mitarbeiter, die regelmäßig mit der Verteilung und Wartung der Fahrräder beschäftigt waren- mit zahlreichen Transportern, mobilen Werkstätten und Schiffen als Depots auf der Seine, möglich, schreibt Heiner Monheim. Die Resonanz ließ sich schon nach kurzer Zeit sehen: der Radverkehr in Paris nahm erheblich zu und zeigte sogar Nebenwirkungen, denn erstaunlicherweise wurden auch die privaten Fahrräder wieder häufiger genutzt.

Auch in Bonn erhofft man sich, dass das System „die Autofahrer dazu animiert auf den ÖPNV in Kombination mit Leihfahrrädern umzusteigen“, so Wilfried Reischl (verkehrspolitischer Obmann, CDU).

Einige der Lücken im Öffentlichen Nahverkehr- lange Wartezeiten bei Anschlussverbindungen, seltene Frequentierung abgelegenerer Strecken etc.- könnten durch die logische Verknüpfung von Fahrrad, Bus und Bahn Pendlern, Studenten, Besuchern die umweltfreundliche, schnelle und zukunftsfähige Fortbewegung erleichtern. Allerdings plant die Stadt Bonn ein stationsgebundenes System, so dass das entliehene Fahrrad auch an der selben Station wieder zurückgegeben werden muss. Wilfried Reischl erhofft sich, „dass ein Fahrradverleihsystem in Bonn nicht nur den Tourismus fördert, sondern vor allem auch die Pendlerinnen und Pendler auf ihrem Weg von den Bahnhöfen zum Arbeitsplatz nützen wird“.

Die Stadt Bonn zielt vor allem auf die knapp 30.000 Studierenden der über die Stadt verteilten Universitätsstandorte, Geschäftsreisende sowie Touristen und Konferenzbesucher ab. Für die Benutzung ist eine einmalige Registrierung via Internet oder Telefon sowie eine Debit- oder Kreditkarte für die Abrechnung nötig. Doch auch das neue Elektronische Fahrgeldmanagement und Handyticket sowie Online-Ticketing kann für das Fahrradverleihsystem verwendet werden. Die Bonner Grünen legen außerdem darauf wert „dieses Fahrradverleihsystem in den VRS-Tarif zu integrieren und zusätzlich auch über die Option zur Einbindung von Pedelecs und Ladestationen zu verfügen“, so Andreas Falkowski (Ausschussmitglied, Bündnis 90/DIE GRÜNEN).

Laut der Stadt Bonn ist das Ziel „ein wirtschaftlicher Betrieb des Systems, das sich über Werbung, Fahrgeldeinnahmen sowie evtl. Zuschüsse des Landes refinanzieren könnte, ohne den kommunalen Haushalt zu belasten“.

Ob der Startzeitpunkt 01.07.13 eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten, schließlich ist noch kein Kooperationspartner zur Distribution und Wartung der Fahrräder gefunden und auch die Abstimmung mit dem Öffentlichen Verkehrssystem muss noch erfolgen. Vielleicht geht der Stadtverwaltung die Etablierung neuer Verkehrssysteme leichter von der Hand, als Hochbauprojekte à la WCCB, Festspielhaus oder Süd-Überbauung. Wir bleiben dran.

Foto: Walter G. Allgöwer/JOKER (Im Bild: Die Fahrräder des Fahrradverleihsystems in Paris)

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