8. Mai 2013.

Nach dem Einsturz eines Hochhauses in Savar, Bangladesh, in dem mehrere Textilfabriken produzierten, fordert das Aktionsbündnis gerechter Welthandel aus Bonn zusammen mit der Kampagne für saubere Kleidung Konsequenzen für die Textilbranche. Bei dem Gebäudeeinsturz am 24. April sind, so der Stand am 3. Mai, über 500 Menschen gestorben und mehr als 2000 verletzt wurden. Laut des Aktionsbündnisses ist mit einem weiteren Anstieg der Opferzahlen zu rechnen. Bereits 2005 stürzte die „Spectrum Fabrik“ in Bangladesh ein und vergangenen November forderte ein Feuer in der „Tazreen Fabrik“ 112 Menschenleben. Seitdem hat sich kaum etwas an den Sicherheitsvorschriften geändert. Deshalb versammelten sich am Samstag empörte Aktivisten des Aktionsbündnisses gerechter Welthandel vor Sinnleffers in der Bonner Innenstadt, um auf die Mitverantwortung der deutschen Textilbranche an den katastrophalen Zuständen in Zulieferbetrieben hinzuweisen!

Tage vor der Katastrophe in Savar waren bereits große Risse in dem Gebäude entdeckt worden, dennoch seien die Arbeiter, die meisten von ihnen Frauen, gezwungen worden zur Arbeit zu erscheinen, schreibt die Kampagne für saubere Kleidung. „Viele der Arbeiterinnen und Arbeiter haben entsetzliche Verletzungen erlitten, die sofortige wie auch langfristig medizinische Behandlung erfordern. Die Markenunternehmen müssen unverzüglich handeln, um Soforthilfe und Entschädigungszahlungen zu gewährleisten“, so die Organisation. Die Verantwortung europäischer und Nordamerikanischer Unternehmen ist nicht von der Hand zu weisen, schließlich nähten die ArbeiterInnen zum Zeitpunkt der Tragödie für Primark und Bon Marche aus Groß Britannien, Joe Fresh von Loblaws aus Kanada sowie für El Corte Ingles und Mango aus Spanien. Auch Labels bzw. Kleidung von Benetton und KiK wurden im Schutt gefunden, so die Kampagne für saubere Kleidung.

„Markenunternehmen können nicht länger ihre Verantwortung von sich weisen. Es war ihr Versäumnis, das diese Tragödie ermöglichte“, ist sich die Organisation sicher. Sie fordert die unverzügliche Unterzeichnung des Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommens und die Zusammenarbeit mit lokalen Gewerkschaften als ersten Schritt. Ein Brandschutzabkommen sei Anfang 2012 in Bangladesch gemeinsam mit bangladeschischen Gewerkschaften und anderen internationalen Arbeitsrechtsorganisationen erarbeitet worden, schreibt das Aktionsbündnis gerechter Welthandel. Bisher haben nur PVH und Tchibo das Abkommen unterzeichnet, so die Bonner Gruppe.

Auch nach der Brandkatastrophe im November 2012 haben die Unternehmen nur unzureichende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, wie Sicherheitsfilme (H&M) oder Sicherheitsakademien (Walmart). „Wie viel Sicherheit bietet jedoch ein Film, wenn ein Gebäude zusammenstürzt oder Notausgänge einfach nicht existieren?“ fragen jedoch die Aktivisten für eine faire Textilbranche.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind jedoch nur ein kleiner Teil der vielen Mängel südost-asiatischer Textilunternehmen. Die Arbeitsbedingungen bei vielen Zulieferbetrieben erinnern an Sklaverei und sind selten mit grundlegenden Menschenrechten vereinbar. So gehören Erniedrigungen, Schläge und Drohungen für viele ArbeiterInnen zum Alltag. Während die Textilriesen der industrialisierten Länder beteuern, stets die lokalen Mindestlöhne einzuhalten, zeigt alleine das Beispiel Bangladesh, das dass nicht reichen kann. Denn hier liegt der Mindestlohn unterhalb der von der UN anerkannten Armutsgrenze von unter einem US$ am Tag. Die Frage stellt sich auch dem Verbraucher: Wie kann ein Kleidungstück wie eine Jeans für 20 Euro einen fairen Lohn ermöglichen? In der Regel geht gerade mal ein Prozent des Endverkaufspreises in die Tasche des nähenden Arbeiters in südost-asien.

Dabei sind Verbraucher in den industrialisierten Ländern keineswegs nur Opfer undurchsichtiger Label-dschungel und profitgieriger Großkonzerne. Neben zahlreichen Kleidungsherstellern, die ihre Produkte von (von der Kampagne für saubere Kleidung als vertrauenswürdig eingestuften) Fair wear foundation oder dem Fairtrade Siegel zertifizieren lassen, gibt es auch andere Möglichkeiten. So fanden sich kürzlich zahlreich an Waschanleitungen erinnernde Zettelchen in den Regale bekannter Kleidungsläden der Bonner Innenstadt. Bei genauerem hinsehen konnte man lesen: „Nutzen Sie ihre Macht als Konsument, denn jeder Geldschein ist ein Stimmzettel! Z.B.: Fordern Sie an der Kasse faire Arbeitsbedingungen für NäherInnen und Umwelt! Spread the message! Second Hand Kleidung: erschwinglich & fair! Länger tragen!“.

Weitere Informationen:

  • Petition der Kampagne für saubere Kleidung
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