29. Mai 2013.

Es dauerte nicht lange, daß die Trennwand im Saal des Gemeindehauses der Ev. Lutherkirchengemeinde  in Poppelsdorf zusammengeschoben werden mußte. Weit mehr Leute als erwartet tröpfelten am vergangenen Donnerstag ab 19 Uhr in den Raum und suchten einen Sitzplatz. Nach einer herzlichen Begrüßung durch das Mitglied der Initiative, Tina Krupp, und Erläuterungen zum Ablauf des Abends durch den Moderator Stefan Padberg fand eine kurze und intensive „Selbstvorstellungsphase“ der Anwesenden statt, in der diese sich der/m nächstbesten unbekannten Nachbar/in zuwandten und gegenseitig erklärten, warum sie der Einladung gefolgt waren. Anschließend stellten sich einzelne Vertreter von Bonner Organisationen und Kulturinitiativen dem Plenum namentlich vor und äußerten sich kurz zu ihren Erwartungen an den Abend.

Um die 90 Personen waren es schließlich, die aufmerksam den Worten des Rezitators Engelbert Decker lauschten, der mit treffender Intonation einen „Kurzen Abriss der Nationalökonomie“ von Kurt Tucholsky vortrug. Es war verblüffend mit anzuhören, wie aktuell ein Text aus dem Jahre 1929 auch noch im 21. Jahrhundert sein kann.

„Mauern und Zäune werden fallen“ lautete das Motto der Veranstaltung der Initiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkaserne, in der es um ein Kernelement der Nutzungsvorstellungen der Initiative gehen sollte, das Interkulturelle Begegnungszentrum. Die Trennwand war verschwunden, der gleichnamige Titel des Referats von Uli Mercker passte also genau in den offenen Raum. Er betonte die Notwendigkeit des Einreißens von Mauern und Zäunen in unseren Köpfen und die Chance, die das frei werdende Gelände der Kaserne dafür bietet. Der Strukturwandel der Stadt hin zu einer Internationalen und UN-Stadt erfordere einen stärkeren Austausch zwischen den zahlreichen Organisationen, Vereinen und Graswurzelinitiativen, die insbesondere mit Fragen der internationalen Beziehungen befasst sind. Es sei erforderlich, daß der globalen Ausbreitung des Kapitals und der Konzerne die globale Vernetzung von unten und ein anderes Gesellschaftsmodell der Anerkennung von Vielfalt entgegengesetzt wird. Das Zusammengehen auf lokaler Ebene ist Grundvoraussetzung dafür, und das Ermekeilgelände bietet dafür hervorragende Voraussetzungen.

Das Gelände biete sich zudem an für die Schaffung von neuem und bezahlbarem Wohnraum für alle Einkommensschichten, Altersgruppen, Familien, Singles, Deutsche und Nichtdeutsche, Menschen mit und ohne Handicap (gibt’s die?), ohne Zäune und Mauern! Es biete Raum für Büros, die allerlei Dienstleistungen verrichten; für Studierende, die eine vorübergehende Bleibe brauchen; für Reisende, die nicht unbedingt im Hotel absteigen wollen; für gastronomische Einrichtungen; für Ateliers und Probenräume.

Interkulturelle Begegnung beziehe sich nicht ausschließlich auf die Kommunikation zwischen deutschen und nichtdeutschen BewohnerInnen dieser Stadt, sondern auch auf den notwendigen Dialog zwischen den Generationen und zwischen VertreterInnen unterschiedlicher Lebenswelten.

Nach dem Vortrag bildeten sich 4 Arbeitstische, an denen jeweils 2 Gruppen über das vorgeschlagene Nutzungskonzept zur Einrichtung eines Kulturzentrums bzw. Bürgerzentrums unter Anleitung von Mitgliedern der Initiative diskutierten. Neben der Frage nach dem tatsächlichen Bedarf und nach einem Finanzierungsmodell für ein solches Zentrum wurden zahlreiche Ideen geäußert, die sich auf die Einbeziehung von Jugendlichen bezogen, auf den Mangel an Versammlungsräumen und Probenräumen z.B. für Tanz- und Theaterinitiativen, auf die Zusammenarbeit mit anderen Bürgerinitiativen und bereits bestehenden Strukturen wie Kirchengemeinden, Schulen, Sportvereinen und Karnevalsvereinen. Es wurden auch Bedenken geäußert, ob denn die Südstadt mit ihrer relativ homogenen oberen weißen Mittelschichtbevölkerung der geeignete Ort sei, um mit MigrantInnen zu arbeiten. Ob da nicht die Gefahr entstehe, daß Ressourcen, die an verschiedenen Brennpunkten benötigt werden, von dort abgezogen würden. Von mehreren Seiten erging die Aufforderung an die Veranstalter, eine umfassende empirische Bedarfsanalyse unter den in Bonn ansässigen lokalen, nationalen und internationalen Kulturinitiativen zu machen, um mit dem Ergebnis bei der Stadt vorstellig zu werden.

Nach der Arbeitsphase erwartete die TeilnehmerInnen ein entspannender Augen- und Ohrenschmaus. Mit ihrem Tanzpartner Albrecht legte Ulla Kuipers eine wunderbar fließende Tango-Performance aufs Parkett, die allgemeine Begeisterung auslöste.

Die Abschlußrunde ergab ein vielschichtiges Bild von Anregungen für die inhaltliche Gestaltung des Interkulturellen Begegnungszentrums in allen seinen Facetten. Zu hoffen bleibt, daß das mit dem Abend geweckte Interesse an dem Gesamtprojekt Ermekeilkarree sich in reger Mitarbeit in den verschiedenen thematischen Arbeitsgruppen der Initiative niederschlägt.

Die Chance für eine Fortsetzung der Diskussion über die Bonner Kulturpolitik ergibt sich bereits in Kürze. Am Donnerstag, dem 6. Juni, wird der Bonner Kulturdezernent Martin Schumacher einer Einladung der Initiative folgen und über Schwerpunkte des Bonner Kulturkonzepts Rede und Antwort stehen.

Weitere Infos zur Initiative zur zivilen Nutzung der Ermekeilkasene, siehe hier

„Integratives Nutzungskonzept | Das Ermekeil-Karree: Quartier der Vielfalt“, siehe hier

Bilder: „Impressionen und Details“, siehe hier

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