9. September 2013.

Passanten, die gestern Nachmittag die Waldstraße entlang fuhren, werden sich möglicherweise verwundert die Augen gerieben haben. Etwa 250 Menschen versammelten sich am Eingang des russischen Konsulats und sendeten „Liebesgrüße nach Russland“, um auf die verheerende Situation der dortigen LGBT-Community aufmerksam zu machen. Nebenbei realisierten die Teilnehmer die wahrscheinlich größte Demonstration für Rechte von homo-, bi-, inter- und transsexuellen Menschen, die die Stadt Bonn je gesehen hat. Mit einem symbolischen Kuss setzten die Demonstranten um kurz nach 15 Uhr ein Zeichen für Solidarität.

Die Teilnehmer der Aktion waren bunt gemischt. Sowohl Bonner, als auch zahlreiche Personen aus Köln, Düsseldorf und dem Ruhrgebiet nahmen an dem „Kiss In“ teil. Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche junge Leute. Möglicherweise, da die Aktion hauptsächlich via Facebook geplant wurde. Anders als der „General Anzeiger“ titelte („Rund 250 demonstrierten gegen Schwulengesetze“), demonstrierten sie nicht gegen „Schwulengesetze“, sondern gegen das Gesetz gegen so genannte „Homo-Propaganda“. Dieses richtet sich ebenso gegen Lesben, inter-, bi- und transsexuelle Menschen.

Vertreter des Generalkonsulats waren nicht vor Ort. Trotzdem wird man dort wohl Kenntnis von der Aktion genommen haben. Sei es auch nur durch Aufkleber, die einige Demonstranten am Eingangstor anbrachten. Auf wiederholte Bitte um eine Stellungname seitens rhein:raum reagierte der russische Generalkonsul Jewgenij Schmagin nicht.

Zeitgleich mit dem „Kiss In“ in Bonn fanden zahlreiche weitere Protestveranstaltungen unter dem Motto „To Russia With Love“ statt. In Deutschland versammelten sich außerdem Protestanten vor den Botschaftsgebäuden in Hamburg, Frankfurt, München und Berlin. Weltweit beteiligten sich mehrere Dutzend Städte an der Aktion.

In der Hauptstadt gingen bereits am vergangenen Wochenende tausende Menschen unter dem Motto „Enough is Enough!“ auf die Straßen, um gegen die zunehmende Diskriminierung von schwulen, lesbischen, bi-, trans- und intersexuellen Menschen zu demonstrieren.

 

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Ankündigung und Hintergrund zum „Kiss In: To Russia With Love“

Foto: Marvin Mendyka

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