19. September 2013.

Das Frauennetzwerk für Frieden enthüllt anlässlich des UN-Tags des Friedens am Samstag, 21. September eine Stele für Bertha von Suttner. Sie kennen diese Frau nicht und haben sich immer gefragt, nach wem der Platz in der Bonner Innenstadt benannt ist? Dann geht es ihnen so, wie vielen. Dabei ist Bertha von Suttner eine beliebte Namensgeberin für Schulen und Plätze. Wenn sie jetzt immer noch nicht wissen, wer diese Frau war, so hilft ihnen rhein:raum auf die Sprünge.

Bertha von Suttner war eine der zentralen Figuren der Friedensbewegung zur Zeit des ausgehenden 19., bzw. anbrechenden 20. Jahrhunderts . Geboren 1843 als Bertha Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau in Prag, genoss sie zunächst ein eher wohlbehütetes Leben. Zwar starb ihr Vater kurz vor ihrer Geburt, ansonsten erhielt sie eine umfassende Bildung, nahm Gesangsunterricht und versuchte mehrfach einen reichen Mann zu heiraten. Letzeres jedoch vergeblich.

Die entscheidende Wende im Leben Bertha von Suttners kam mit der Bekanntschaft Alfred Nobels. Diesen lernte sie kennen, nachdem sie eine Stellung als Gouvernante bei der Familie von Suttner annahm. Dort verliebte sie sich in den ältesten Sohn der Familie, Arthur von Suttner. Als die Herrin des Hauses von der Beziehung erfuhr, musste Bertha ihre Stellung als Gouvernante aufgeben. Durch eine Zeitungsannonce kam der Kontakt zu Alfred Nobel zustande, der eine Sekretärin in Paris suchte. Nobel, einer der reichsten Männer seiner Zeit, da er das Dynamit erfand und patentieren ließ, zeigte sich beeindruckt von Berthas umfangreichen Sprachkenntnissen. Mit der Zeit entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen der Suttner und Nobel, die zeitlebens andauern sollte. Aber auch der Kontakt zu Arthur brach nicht ab. Nach einem Jahr in Paris zog es Bertha zurück nach Österreich, wo die beiden heimlich heirateten.

Da Arthurs Familie nur wenig begeistert war von der Heirat, floh das frisch vermählte Paar auf Einladung einer kaukasischen Fürstin in das entfernte Mingrelien. Während ihres siebenjährigen Aufenthaltes begannen die beide als Schriftsteller zu arbeiten. Erst 1885 zog es die beiden nach Wien zurück.

Der internationale Durchbruch gelang Bertha von Suttner mit ihrem 1889 erschienenen Roman „Die Waffen nieder!“. Dieser erzählt die Lebensgeschichte einer österreichischen Comtesse, die durch den Krieg immer wieder vor harte Schicksalsproben gestellt wird. Zwar wurde der Roman aufgrund seiner gesellschaftlichen Sprengkraft zunächst von zahlreichen Verlagen abgelehnt, doch wurde er schnell zu einem internationalen Bestseller.

Durch den schriftstellerischen Erfolg machte sie sich nicht nur einen Namen in der pazifistischen Bewegung, mit der sie bisher, im Grunde genommen, nur wenig zu tun hatte, sondern wurde zu einer regelrechten Friedensikone. Sie beteiligte sich an der Organisation von Weltfriedenskongressen, gründete unter anderem in Österreich und Deutschland Friedensgesellschaften und versuchte immer wieder Parlamentarier von der Friedensidee zu überzeugen. Unterstützung fand sie  zumeist in den liberalen Parteien, aber auch von den Sozialisten. Diese sah Bertha von Suttner aber eher kritisch, auch wenn sie in der Presse Spitznamen wie  „die rote Bertha“ erhielt. Immer sei es der Irrglaube, dass der nächste Krieg Frieden und Gerechtigkeit zur Folge hätte, so Suttner. Ein Irrglaube, dem auch die Sozialisten anhingen. Der nächste Krieg, der nächste Militärschlag verlängere die Gewaltspirale aber nur. Ein Gedanke, derauch heute kein bisschen an Aktualität eingebüßt hat.

Bertha von Suttners Menschenbild war wesentlich von ihrer Deutung Charles Darwins Evolutionstheorie geprägt. So glaubte Suttner an eine moralische Veredelung der Menschheit. Aus heutiger Sicht ein etwas naiver Fortschrittsglaube. Kritik übte sie besonders an der Geschichtsschreibung. Krieg sei nur möglich, wenn man „von den furchtbarsten Blutbädern und Metzeleien, wie von etwas ganz Gewöhnlichem, Notwendigem, so unbefangen als möglich erzählt“, so Suttner in ihrem Erfolgsroman „Die Waffen nieder!“.

Im Rahmen der Bonner Friedenstage 2013 wird heute außerdem der historische Bertha von Suttner-Film „Herz der Welt“ (1952) mit Hilde Krahl und Dieter Borsche im WOKI (am Bertha-von-Suttner-Platz) gezeigt. Der Film zeigt retrospektiv das Leben der Friedenskämpferin. Die Regie führte Harald Braun.

Die Stele zu ehren Bertha von Suttners wird am kommenden Samstag um 11 Uhr auf dem Bertha-von-Suttner-Platz/ Ecke Sandkaule enthüllt. Passend dazu gibt es vom Netzwerk Friedenskooperative eine online-Hörstation mit informativen Texten von und über Bertha von Suttner.

Foto: Carl Pietzner (wikipedia)

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter