16. Oktober 2013.

Am 12. Oktober 2013, dem 221. Jahrestag der „Entdeckung Amerikas“ durch Cristóbal Colon werden wieder einmal verlorene Ressourcen eines fremden Kontinents aus dem Mittelmeer „geborgen“.

Eine Woche nach dem verheerenden Schiffsbrand vor der Küste Lampedusas , bei dem 350 Flüchtlinge aus verschiedenen afrikanischen Ländern wegen unterlassener Hilfeleistung ihr Leben verloren, ist gestern eine weitere völlig überfüllte Barkasse ca. 100 Seemeilen vor Sizilien gekentert und hat die mehr als 200 Insassen ihrem nassen Schicksal überlassen. Diesmal konnten zwar die meisten Menschen gerettet werden, ersten Meldungen zufolge ist aber für mehr als 50 Menschen wieder jede Hilfe zu spät gekommen.

Was muß noch geschehen, bevor die Politiker Europas ihren Kurs der Abschottung und des Wegsehens verlassen und einen Radarschirm der Vernunft einschalten?

Die Reaktionen vieler Medien tun ihr Übriges, um uns weiszumachen, daß das, was „dort unten“ zwischen den Küsten Nordafrikas und Siziliens passiert, ein furchtbares Unglück sei, das auf Leichtsinn der Betroffenen und Skrupellosigkeit von Schlepperbanden zurückzuführen sei. Stellvertretend für die fehlgeleitete veröffentlichte Meinung sei hier nur ein Kommentar eines Spiegel-online-Lesers zitiert: „Flüchtlinge gibt es nur, weil es Schlepper gibt. Gibt es keine Schlepper mehr, löst sich das Flüchtlingsproblem von selbst.“

Das erbärmliche Lügengebäude der herrschenden Politik bekommt zwar an immer mehr tragenden Wänden Risse, es steht aber leider immer noch auf einem sehr soliden Fundament erschreckender Ignoranz und Verwirrtheit der großen Masse der Bevölkerung.

Sinnvoller Einsatz für die „Bonn“ – ein konstruktiver Vorschlag

Eines der größten Schiffe der Bundesmarine, der Einsatzgruppenversorger „Bonn“, ist vor wenigen Wochen zu seiner Jungfernfahrt in die Nordsee aufgebrochen. Das 350 Mio EUR teure und über 170m lange Schiff verfügt über alle Voraussetzungen, um rasch und wirkungsvoll lebensrettende Maßnahmen auf hoher See durchzuführen. Als schwimmendes Lazarett verfügt es über eine hohe Notfallaufnahmekapazität mit 45 Betten und 4 Intensivstationen sowie Sanitätsmaterial, Proviant und andere Verbrauchsgüter. Es ist mit modernster Radartechnologie ausgerüstet und trotz seiner Größe enorm beweglich und schnell. Es kann also in verhältnismäßig kurzer Zeit an Krisenschauplätze gelangen und z.B. in Not geratene Schiffsbesatzungen aufnehmen und mit dem Nötigsten versorgen.

Der Oberbürgermeister der Stadt Bonn, der zugleich „Mayor for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) ist, sagte bei der Indienstnahme des Schiffes am 13. September in Wilhelmshaven: „Wir sind stolz auf dieses Schiff“.

Herr Nimptsch, ehrlich gesagt, WIR und viele andere Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bonn haben diesen Stolz bisher nicht empfunden. Der Anblick des schmucken Modells, das in einer Vitrine im Foyer des Stadthauses prangt, hat vermutlich bei den meisten Stadthausbesuchern auch eher verständnisloses Kopfschütteln als freudige Begeisterung ausgelöst.

Das würde sich jedoch schlagartig ändern, wenn wir in den nächsten Wochen mit der Schlagzeile konfontiert wären: „Einsatzgruppenversorgen `Bonn` rettet 150 in Seeenot geratene Flüchtlinge vor Lampedusa.“

Eine solche Nachricht würde Sie und die Bonner Bevölkerung doch sicherlich mit Stolz und einer gehörigen Portion Freude, Joy, Joie erfüllen. Vielleicht sollten wir’s versuchen, das Unmögliche mit einer solchen Aktion möglich zu machen.

Foto: Schiffswrack in Lampedusa, Foto: ( c ): Alexander Stein/JOKER

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter