Henry Kissinger Professur "skandalös"

Ver.di, AStA und SP gegen Kissinger-Professur

18. Oktober 2013.

Der Protest gegen die Einrichtung einer „Henry Kissinger Stiftungsprofessur für internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ an der Uni Bonn wird größer. Nachdem in den vergangenen Monaten ein Bündnis aus Hochschulgruppen, Parteien und zivilgesellschaftlichen Organisationen gegründet wurde, sprach sich in der vergangenen Woche auch der AStA und das Studierendenparlament (SP) gegen die Professur aus. Hauptkritikpunkt ist dabei Kissingers verherendes Wirken in Südamerika und Südostasien, das zu mehreren hunderttausend Toten führte.

Bis heute konnte sich Kissinger einer gerichtlichen Aufklärung seiner Rolle erfolgreich entziehen. Alena Schmitz, Vorsitzende des AStA, dazu: „Diese Verweigerungshaltung gegenüber den Versuchen gerichtlicher Aufklärung, unterstreichen die kontroverse Rolle Kissingers. So lange die bestehenden Beschuldigungen nicht restlos ausgeräumt werden, ist die beabsichtigte akademische Ehrung nicht akzeptabel.“

Ebenso kritisiert der AStA die finanzielle Einmischung des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg). Von den geplanten 300.000 €, die die Professur jährlich kosten soll, stammen 250.000 € vom BMVg. Die übrigen 50.000 € werden vom Auswertigen Amt beigesteuert. AStA-Pressesprecherin Charlotte Schwarzer-Geraedts äußerte dazu: „Wir fordern die Offenlegung der Verträge zur Einrichtung der Professur, sowie eine umfassende Transparenz bei Berufung und inhaltlicher Ausrichtung des Lehrstuhls. Die Direktfinanzierung eines Lehrstuhls durch das Verteidigungsministerium ist ein Novum, welche wir als eine unzulässige Einmischung in die zivile Hochschullandschaft bewerten.“

Auch außerhalb der Uni werden Gegenstimmen laut. Ver.di bezeichnete die Einrichtung der geplanten Professur als „skandalös“. „Henry Kissinger eignet sich nicht als Namensgeber für eine Stiftungsprofessur an einer NRW-Hochschule, die der Zivilgesellschaft und dem menschlichen Fortschritt verpflichtet ist“, erläutert Uwe Meyeringh vom ver.di – NRW-Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung. Als ehemaliger Sicherheitsberater und Außenminister der USA trägt Henry Kissinger Mitverantwortung für den Militärputsch vor 40 Jahren in Chile und bei der Invasion Ost-Timors.

In der ver.di-Pressemitteilung vom vergangenen Montag wird zu friedlicher Forschung an Hochschulen aufgerufen und die Einrichtung so genannter Zivilklauseln in Lanndeshochschulgesetzen, Verfassungen bzw. Grundordnungen der Universitäten und Hochschulen gefordert. Dadurch soll gewährleistet werden, dass (Hoch-)Schulen und Forschungseinrichtungen ausschließlich „dem Frieden, der Verständigung unter den Völkern und der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen“ dienen.

Foto: ( c ) zachflanders

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