22. Oktober 2013.

Mehr als eine Million Menschen protestierten am 22. Oktober 1983 in der Bundesrepublik gegen die Stationierung neuer Atomraketen und die Blockkonfrontation. Einen Monat vor der Beschlussfassung im Bundestag waren die parallelen Demonstrationen in Berlin, Bonn, Hamburg und die 108 km lange Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm Höhepunkt des seit dem NATO-Doppelbeschlusses von 1979 Aufbegehrens gehen einen real drohenden Atomkrieg und die Logik der Abschreckung.

Das Netzwerk Friedenskooperative gibt unter http://www.friedenskooperative.de/netzwerk/histo000.htm einen Überblick über die Geschichte der deutschen Friedensbewegung.

Manfred Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks, betont dreißig Jahre später: „Die deutsche Gesellschaft hat durch die Friedensbewegung der 1980er Jahre enorm gewonnen. Der damals propagierte Anspruch auf Mitsprache bei wichtigen Fragen wirkt in vielen Bürgerinitiativen nach und es gibt eine tief verankerte Skepsis gegen Krieg und Militär“.

Auch wenn Protestaktionen etwa zum Afghanistankrieg oder gegen die skandalösen Rüstungsexporte an autokratische Regime wie Saudi-Arabien keine vergleichbare Beteiligung mehr hätten, wären in solchen Sachfragen die Umfragen eindeutig auf Seiten der Rüstungskritiker.

Heinrich Böll in der Bonner Fußgängerzone (c) Alfred Kerger

Heinrich Böll in der Bonner Fußgängerzone auf dem Weg zur Kundgebung (c) Alfred Kerger

Seit den damaligen Großdemonstrationen gab es viel „Auf und Ab“ bei der Beteiligung an Aktionen der Friedensbewegung und die Zahlen sind nicht mehr vergleichbar. Zunächst hatten viele resigniert, als am 22. November 1983 der Bundestag trotz aller Hoffnungen die Stationierung von Pershing II-Raketen und Cruise Missiles dennoch beschloss.

Weitere waren froh, als 1987 mit Gorbatschow die Abrüstung der Mittelstreckenraketen beschlossen war und dann sogar die Mauer fiel. Gründe für den Protest gegen Atomwaffen schienen wegzufallen, obschon Friedensgruppen bis heute in vielen Aktivitäten die Ächtung aller Nuklearwaffen fordern.

Die „Pazifismusdebatte“ nach dem Massaker von Srebenica und der Bruch mit den aus der Friedensbewegung hervorgegangenen Grünen nach der Beteiligung am Krieg um den Kosovo haben in den 1990er Jahren die Reihen der Aktiven weiter gelichtet.

„Das Potential für massiven Protest gegen Krieg hat sich aber seither immer wieder gezeigt, so etwa beim ersten Krieg gegen Irak 1991 und dann auch bei der mit Lügen begründeten Irak-Invasion 2003“, resümiert die Friedenskooperative.

Und längst hätten die Friedensorganisationen eine eigene Expertise für die Alternativen zu militärischem Eingreifen bei Krisen und Gewalt mit Möglichkeiten Ziviler Konfliktbearbeitung entwickelt.

Man wolle weiter daran arbeiten, dass die weltweiten Einsätze der Bundeswehr auf Protest stoßen und eine an wirtschaftlichen Interessen orientierte Außen- und Militärpolitik wie auch die Rüstungsexporte mehrheitlich abgelehnt werden.

Im nächsten Jahr wollen Friedensgruppen bundesweit zu „100 Jahre Erster Weltkrieg“ auch an die lange Geschichte des pazifistischen Widerstands gegen Krieg erinnern.

Foto: Alfred Kerger

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