12. November 2013.

Die Meldungen über die miserable Menschenrechtssituation von LGBT-Menschen in Russland lassen nicht nach. Immer wieder wird über junge Menschen, die vor laufender Kamera gedemütigter und misshandelten werden, berichtet. Nicht zuletzt durch die kommende Winterolympiade im russischen Sotschi richtet sich der Blick der westlichen Welt in Richtung Osten. Auch in den Räumlichkeiten des Beueler Jugendtreffs GAP wurde die dortige Lage am vergangenen Freitag diskutiert.

Als Referent wurde Konstantin Sherstyuk, Mitglied des Vereins „Quarteera“, der russischsprachigen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender sowie deren Freunde, eingeladen. Dieser berichtete über die Lebenssituation der russischen LGBT-Community. Dabei zeichnete er das Bild eines im 18. und 19. Jahrhundert vergleichsweise libertären Russlands. Sozusagen „aus dem Nähkästchen“ plauderte Sherstyuk dabei über tatsächliche oder nachgesagte homosexuelle Neigungen russischer Magnaten in der Vergangenheit und heute. Etwa im Falle Peter I., der Große, der jedoch homosexuelle Handlungen 1706 in der Armee unter Strafe stellen ließ.

Obgleich es 1917 noch eine vollständige Abschaffung aller Anti-Homosexuellengesetze gab, kam es 1934 zu wesentliche Einschnitte unter Stalin. Dieser führte das Gesetz zur Verfolgung von Homosexuellen, den § 121 des russischen StGB, ein, welches bis in die 90er bestehen blieb.

Einen erneuten Rückschlag erfuhr die russische Community durch Einführung des Gesetzes gegen so genannte „Homo-Propaganda“, welches am 30. Juni in Kraft getreten ist. Seitdem müssen Personen und Organisationen, die in der Öffentlichkeit vor Minderjährigen „verzerrte Vorstellungen von der sozialen Gleichwertigkeit traditioneller und nicht-traditioneller Beziehungen“ wecken, mit erheblichen Strafen rechnen.

Als möglicher Kritikpunkt an Sherstyuks Darstellung ließe sich die stark personenbezogene Orientierung festhalten. Zwar lieferte der Referent einen Vortrag, der die Lebenswirklichkeiten Einzelner authentisch festhielt, doch ein genauerer Blick auf die Ursachen der Aggresivität gegen die russische LGBT-Community blieb weitestgehend aus.

„Quarteera e.V.“ spricht sich unter anderem gegen einen Boykott der kommenden Winterolympiade in Sotschi aus. Im Blog des Vereins heißt es dazu: „Wir sprechen uns (…) gegen einen Boykott als Instrument politischer Einflussnahme aus und ermutigen alle Akteure, die russische Gesellschaft und die Menschen in Russland in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit und ihres Engagements zu stellen.“

 

Foto: intelligentinfo (flickr)

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