21. November 2013.

Die Landschaft der militärischen Standorte in Deutschland ist dabei, sich im Zuge der Sparmaßnahmen der Bundeswehr nachhaltig zu ändern. Dies betrifft auch Nordrhein-Westfalen, wo Städte und Kommunen vor zum Teil massiven strukturellen Veränderungsprozessen stehen. Die Ermekeilkaserne in Bonn wurde bis Mitte 2013 vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr genutzt. Die Nachnutzungspläne der Stadt Bonn haben das Potenzial für ein Best Practice-Beispiel in Sachen Liegenschaftskonversion.

Im Interview mit dem Bonner International Center for Conversion (BICC) gibt Bonns Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch Auskunft.

BICC: Im Frühjahr 2012 hat die Stadt Bonn über einen Bebauungsplan für die ehemalige Ermekeilkaserne entschieden. Wie war die Vorgeschichte zu diesem Beschluss?

Oberbürgermeister Nimptsch: Vor dem Beschluss, den Bebauungsplan aufzustellen, haben wir bereits Gespräche mit dem Verteidigungsministerium über die Nutzungsdauer der Kaserne für das dort angesiedelte Bundesamt geführt. Nachdem ein Zeithorizont für den Umzug des Bundesamtes – es ist im Juni dieses Jahres offi ziell ausgezogen – bekannt war, hat die Verwaltung frühzeitig den Vorschlag zur Aufstellung des Bebauungsplanes den politischen Gremien unterbreitet, der dann intensiv beraten und verabschiedet wurde.

BICC: Die Ermekeilkaserne umfasst eine Gesamtfläche von insgesamt 24.000 qm inmitten der Bonner Südstadt, umgeben von Wohnhäusern, Geschäften, Cafés und Gaststätten im Gründerzeitbaustil. Was sieht das jetzige Planungsverfahren vor? Welche Herausforderungen liegen vor Ihnen?

Oberbürgermeister Nimptsch: Für die Nutzung des Areals haben verschiedene Seiten und insbesondere engagierte Bürgerinnen und Bürger schon viele gute und interessante Vorschläge gemacht. Als Schwerpunkt für das Areal kristallisiert sich das Thema Wohnen heraus. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, das Wohnen durch verschiedene Angebote zu ergänzen – wie durch ein Begegnungszentrum oder besondere innovative Wohnformen. Aber auch Arbeiten und Freizeit spielen eine Rolle.

In den verschiedenen Planungsschritten wird dies geprüft und in den vorgesehenen Beteiligungsschritten den Bürgerinnen und Bürgern die Planung dann vorgestellt. Im Zuge des Planungsprozesses wird dann herausgearbeitet und abgewogen, was sich schlussendlich alles auf dem Gelände umsetzen lässt. Dies ist auch die Herausforderung: alle Belange zusammenzufassen und eine Planung oder entsprechende Alternativen zu entwickeln.

BICC: Die Stadt Bonn engagiert sich für die Konversion einer ehemals militärischen Liegenschaft in eine nachhaltige, bürgernahe Nutzung. Welche Vision verbinden Sie damit?

Oberbürgermeister Nimptsch: Wir möchten das Gelände der Ermekeilkaserne in ein lebendiges Wohnquartier umwandeln. Daher stehen wir mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben als Eigentümerin im Gespräch, das Areal zu übernehmen. Hier besteht für die Stadt Bonn die große Chance, mit den Bürgerinnen und Bürgern ein Stück lebenswertes Bonn zu entwickeln. Und wer weiß, vielleicht wird ja eines Tages dort sogar eine Organisation als ein Mieter einziehen, die sich selbst mit Fragen der Rüstungskonversion beschäftigt.

Interview: Susanne Heinke (BICC), Übernahmen aus dem BICC Jahresbericht 2013, erschienen: Nov 2013. Hier geht es zum Link für den Jahresbericht

Foto: Anke Liepertz-Peter

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