Gender-Ranking 2013

Bonn nur noch im Mittelfeld

25. November 2013.

Wie weit ist es mit der Gleichstellung von Frauen in der Kommunalpolitik? Mit dieser Frage beschäftigt sich aktuell eine Studie der Fernuni Hagen im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung. Bonn ergatterte im Vergleich mit 78 anderen deutschen Großstädten einen Platz im Mittelfeld.

Ausgewertet wurden in der Studie der Anteil der Frauen in den Stadträten, Dezernatsleitungen, im Oberbürgermeisteramt, sowie unter den Fraktions- und Ausschussvorsitzenden. Im Vergleich zur letzten Studie aus dem Jahr 2010 konnten bundesweit leichte Fortschritte erzielt werden. Waren damals noch 32,9% der Stadträte weiblich, sind es heute „immerhin“ 33,4%. Spitzenreiter des Gender-Rankings ist die Stadt Trier. Zwar ist der Posten des dortigen Oberbürgermeisters in männlicher Hand, doch stolze 45,5% der Ratsmitglieder sind weiblich. Zum Vergleich: in Bonn sind lediglich 35% der Stadträte weiblich. Und auch ansonsten stand Bonn in den vergangenen Gender-Rankings besser da. Doch seit dem ersten Gender-Ranking fiel Bonn immer weiter zurück: vom 20. Platz im Jahr 2008 auf Platz 21 im Jahr 2010. Nun, weitere drei Jahre später  liegt Bonn nur noch auf Rang 35.

Aber wie kann das sein? Sind seit 2010 etwa weniger Frauen im Stadtrat vertreten? Der Grund dafür ist, dass die Punkte in Relation zu den anderen Großstädten vergeben werden. Dabei wurden die Ergebnisse der Kategorien (Rat, Fraktionsvorsitz, Ausschussvorsitz und Dezernatsleitung) in Quartilen aufgeteilt. Anschließend erhielten die Städte 4,3,2 oder einen Punkt(e), je nachdem in welchem Viertel sie lagen.

Durch diese Methode lässt sich die Aussagekraft des Rankings in Teilen bezweifeln. Beispiel: Gera. Obwohl dort nicht einmal jedes vierte Ratsmandat an eine Frau vergeben wurde, schaffte es Gera in der Gesamtstatistik immerhin auf einen stolzen Platz 13. Nicht in der Statistik tauchen aufgrund der schwer vergleichbaren kommunalen Strukturen die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg auf.

Dennoch kommt die Studie zu einigen zentralen Feststellungen, die von der fehlenden Geschlechtergerechtigkeit zeugen. In keiner einzigen deutschen Großstadt gibt es gleich viele oder mehr Frauen als Männer in den Stadträten. Und nur in etwa einem Dutzend der Städte liegt der Frauenanteil bei über 40%.

Ein noch gravierender Unterschied zeichnet sich bei der Besetzung der Oberbürgermeisterämter ab. Unter den 79 Oberbürgermeistern befinden sich lediglich 11 Frauen, wobei es ein großes Ungleichgewicht zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Während der Anteil im Westen bei 11,8 liegt, ist er im Osten immerhin bei 27,3%.

Einen besonderen thematischen Schwerpunkt legt die Studie auf MigrantInnen in Großstadtparlamenten. Nicht zu unrecht reden die Macher der Studie hier von einem „Repräsentations- und Demokratiedefizit“. Damit Männer mit Migrationshintergrund ausreichend repräsentiert wären, müsste ihre Anzahl in Stadträten um das 5-fache ansteigen. Bei Frauen mit Migrationshintergrund müsste der Anteil sogar um das 8-fache ansteigen.

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