Diskussion um Kissinger-Professur

Unileitung verwundert über Antrag der Linken

10. Dezember 2013.

Die Universitätsleitung zeigt sich verwundert. Grund dafür ist ein Antrag der Linksfraktion im Stadtrat mit dem Betreff „Nein zur Kissinger-Stiftungsprofessur an der Universität Bonn“. Inhalt des Antrags: der Stadtrat soll sich gegen die vom Verteidigungs- und Außenministerium finanzierte Professur aussprechen, sich der Resolution des Studierendenparlaments vom 17. Oktober anschließen und die ablehnende Haltung der Universität und der Bundesregierung mitteilen.

Die Universitätsleitung, die bisher jeglicher Diskussion bezüglich der Professur konsequent aus dem Weg ging, veröffentlichte Ende November einen Kommentar zum Antrag der Linken. Darin heißt es unter anderem: „Kissinger als Person mag ambivalent zu bewerten sein, ausschlaggebend für die Professur ist jedoch vor allem sein positives Wirken für Deutschland und insbesondere die deutsch-amerikanischen Beziehungen.“

Kissinger-Professur? Was ist das?
Die „Henry Kissinger Stiftungsprofessur für internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ soll ab dem Wintersemester 2014 anlässlich des 90. Geburtstags Henry Kissingers eingerichtet werden. Finanziert wird diese durch das Verteidigungsministerium (250.000 € jährlich) und das Auswertige Amt (50.000 € jährlich). Aufgrund der Finanzierung durch das BMVg und der umstrittenen Namensgebung formiert sich Widerstand von Parteien, der Studierendenvertretung und Friedensinitiativen.

Die Frage drängt sich auf, ob sich die schwerwiegenden Vorwürfe gegen Kissinger so einfach ausklammern lassen. Darüber diskutierte zuletzt das Institut für Orient- und Asienwissenschaften beim dies academicus am vergangenen Mittwoch. Bei der Podiumsdiskussion wurde festgehalten, dass Henry Kissinger unter anderem Kriegsverbrechen in Kambodscha, Laos und Vietnam angelastet werden. Die Anzahl der Toten befinde sich im sechs- bis siebenstelligen Bereich. Angesichts dieser Zahlen erscheint die Äußerung der Universitätsleitung, man wolle „sein positives Wirken für Deutschland“ hervorheben, eher zynisch.

Erstaunlich ist auch der Vorwurf der Universitätsleitung, dass die Linksfraktion nicht versucht habe ihre „Bedenken (…) in einem bilateralen Gespräch auszuräumen“. Gerade die Universitätsleitung zeichnete sich seit Bekanntgabe der Einrichtung der „Kissinger-Professur“ im vergangenen Mai durch absolute Verweigerung jeglicher Kommunikation aus. So kommentierte Uni-Sprecher Andreas Archut gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ die Kritik des AStAs und des Studierendenparlamentes lediglich mit den Worten: „Das kann der AStA nicht aufhalten“. Auch zur besagten Podiumsdiskussion am dies academicus nahm von Seiten der Universitätsleitung niemand teil. Begründung: „keine Zeit“.

Foto: ( c ) Verhoeff, Bert / Anefo (wikipedia)

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter