Kissinger-Professur

Stadtrat bezieht keine Stellung

17. Dezember 2013.

In der vergangenen Ratssitzung wurde über den Antrag zur „Kissinger-Professur“ nicht abgestimmt. Der Antrag, der von der Linksfraktion eingebracht wurde, sah vor, dass sich der Stadtrat gegen die vom Verteidigungs- und Außenministerium finanzierte Professur aussprechen und sich damit der Resolution des Studierendenparlamentes anschließen sollte. Mit Stimmen von CDU, FDP, SPD und BBB wurde der Antrag zu Beginn der Sitzung von der Tagesordnung genommen, da sie in diesem eine Einmischung in universitäre Vorgänge sahen. Für den Antrag setzten sich Linke und Grüne ein.

Michael Faber, Vorsitzender der Linksfraktion im Stadtrat, meint dazu: „Tatsächlich verabschiedet der Rat regelmäßig Resolutionen und nimmt auf dem Weg Stellung zu relevanten Themen – auch wenn die über den Tellerrand einer eng gefassten kommunalen Kernzuständigkeit hinausgehen“ Des weiteren äußerte er seine Bedenken, dass das Image Bonns als UN-Stadt durch die „Kissinger-Professur“ gefährdet werde: „Wir sehen als Linksfraktion hier jedenfalls nicht, dass es sich um einen rein inneruniversitären Vorgang handelt. Die Widmung einer völkerrechtlich orientierten Professur nach Henry Kissinger ist ein Politikum, das auch die Stadt angeht. Schließlich präsentiert sich Bonn immer gerne als Stadt der Vereinten Nationen und als Stadt der internationalen Zusammenarbeit im Sinne der Friedenssicherung. Das wird durch diese Stiftungsprofessur konterkariert.“

Unterdessen formiert sich unter den Studierenden weiterhin Protest. Vergangene Woche referierte Prof. Klaus Meschkat aus Hannover über chilenische Universitäten zur Zeit des Allende-Putsches. Meschkat war zu dieser Zeit als Professor an der Universität in der chilenischen Stadt Concepción tätig. Nach dem Putsch wurden er und zahlreiche weitere Akademiker inhaftiert. Henry Kissinger wird unter anderem die Unterstützung des Putsches vorgeworfen, die zu der Etablierung der Pinochet-Diktatur führte.

Foto: Joker

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