Bebauungsplan zur Einsichtnahme freigegeben

Nutzpflanzengarten soll bleiben

16. Mai 2014.

Die Stadt Bonn hat den Bebauungsplanentwurf für den neuen Uni-Campus Poppelsdorf der Öffentlichkeit zur Einsichtnahme und Stellungnahme vorgelegt. Darin ist, wie es der Rat der Stadt einstimmig beschlossen hatte, eine Fläche für den so genannten Teil 2 des Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten vorgesehen. Die Bürgerinitiative Nutzpflanzengarten Poppelsdorf und der bundesweit tätige Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) begrüßen die Planung als Verbesserung gegenüber dem Masterplan von 2010, dem zufolge der Nutzpflanzengarten Teil 2 einer Bebauung mit Gewächshäusern und Laborgebäuden hätte weichen müssen.

Die geplante Campus-Bebauung umfasst das 26 Hektar große Gelände der ehemaligen Versuchsfelder der Landwirtschaftlichen Fakultät nur wenige Geh-Minuten vom Bonner Hauptbahnhof entfernt. Es beherbergt bisher einen Teil des größten und ältesten Nutzpflanzenlehrgarten in Deutschland. Die wissenschaftlich hoch angesehene Sammlung von Nutzpflanzenarten und -sorten dient nicht nur der Ausbildung der Studierenden und der Forschung, sondern auch der öffentlichen Bildung über die bedrohte Kulturpflanzenvielfalt.

Bei der Bewertung des Bebauungsplanentwurfes hinsichtlich der Zukunft des Nutzpflanzengartens ist zum einen die Ergänzung der Gartenfläche durch einen „Essbaren Campus“ zu berücksichtigen, bei dem die Gebäuderandstreifen mit Nutzpflanzen begrünt werden, so die Bürgerinitiative. Berücksichtigt werden müsste aber auch, dass laut Bebauungsplanentwurf die eingeplante Gartenfläche von 0,9 Hektar auch mit „Garten-bezogenen Gebäuden bis neun Metern Höhe“ bebaut werden darf. Es bleibe daher offen, wie viel Freigelände letztlich für die Wissensvermittlung über heimische Kulturpflanzen und ihre Ökosysteme künftig noch zur Verfügung stehen wird, darauf weist die Bürgerinitiative hin. Genau genommen fehle eine Festlegung des Flächenanteils der „gartenbezogenen Gebäude bis 9 m Höhe“ im Bebauungsplan. Sie habe an der weiteren Entwicklung großes Interesse.

Der betroffene Gartenteil auf dem Planungsgebiet wurde bereits für den Bau einer Fahrradstrasse erheblich beeinträchtigt. Dem Vorschlag, den Radweg um wenige Meter zu verlegen, um die attraktive Gartenanlage mit ihrem altem Baumbestand als ideales Lernumfeld zu bewahren, sei damals zur Enttäuschung Vieler nicht gefolgt worden, so der VEN. Von der derzeitigen Neuanlage des Gartens erhoffe sich der VEN langfristig viel Platz für heimische Kulturpflanzen in einem gleichwertig angelegten Gartenökosystem. Der mit Nutzpflanzen auf Randstreifen begrünte so genannte „Essbare Campus“ sei keinesfalls Ersatz für einen Garten, jedoch eine sinnvolle Ergänzung und gute Gelegenheit, die nötige Erfahrung mit diesem Konzept zu sammeln. Die Sicherheit für die Freifläche des Teil 2 müsse optimiert werden, auch weil auf dem Teil 1 des Nutzpflanzengartens am Katzenburgweg der notwendige Ersatz der Gewächshäuser für die tropischen und subtropischen Nutzpflanzen nach derzeitiger Planung die dortigen Freifläche beanspruchen werde.

Tausende Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Alumni der Bonner Universität, Umweltschutzorganisationen sowie Fachleute aus aller Welt hatten den Fortbestand des Nutzpflanzengartens gefordert. Das Anliegen wird sogar durch drei Träger des Alternativen Nobelpreises unterstützt.

Die Vereinten Nationen warnen seit den 1970er Jahren vor dem Verlust dieses Welterbes, das künftigen Generationen eine nachhaltige Ernährung ermöglichen könnte. Kulturpflanzen sind, anders als viele Wildpflanzen, abhängig von Menschen, die sie anzubauen, zu vermehren und zu nutzen wissen. Gerade die zentrale Lage des Poppelsdorfer Nutzpflanzengartens erlaube unter anderem vielen Schulklassen, die heimische Kulturpflanzenvielfalt kennen und schätzen zu lernen, betont der VEN.

Der Bebauungsplan liegt im Bonner Stadthaus bis zum 10. Juni 2014 aus.

Die Stadtratsvorlage mit Eingaben der Bürgerinitiative und des VEN 2010-2012 sowie den Schreiben der Alternativen Nobelpreisträger kann HIER eingesehen werden.

Foto: ( c ) Felix Lohmeyer/Joker

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