2. Juni 2014.

An der Universität Bonn soll zum kommenden Wintersemester eine „Henry-Kissinger-Stiftungsprofessur“ eingerichtet werden. Die Idee ist höchst umstritten und hat inzwischen auch bundesweit Aufmerksamkeit erregt. Dabei zeigt sich: Welche Spuren Kissingers Realpolitik hinterlassen hat, wissen nur wenige. Am Dienstag, den 3. Juni, wird daher der preisgekrönte Dokumentarfilm „Henry Kissinger – Geheimnisse einer Supermacht“ des Filmemachers Stephan Lamby in der Bonner Universität gezeigt.

Henry Kissinger ist auch in Deutschland ein Polit-Star. Doch trotz seiner Verdienste – 1973 erhielt er den Friedensnobelpreis für die Friedensverhandlungen mit Nordvietnam – verfolgen Kissinger bis heute schwere Vorwürfe. Welche Schuld trägt der ehemalige Sicherheitsberater von US-Präsident Nixon an der Eskalation des Vietnamkriegs? Welche Rolle spielte er beim Putsch gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende? Wie reagierte er auf die indonesische Invasion in Osttimor? Solchen Fragen geht Henry Kissinger meistens aus dem Weg. Doch dem Dokumentarfilmer Stephan Lamby ist es vor einigen Jahren gelungen, Henry Kissinger in seinem Privathaus in Connecticut zu einem zweitägigen Interview über sein Leben zu bewegen. So ergab sich ein ungewöhnlich offenes Gespräch über Macht und Moral – und über eine Theorie, die Regierungen bis heute beeinflusst. Zudem sprach Lamby mit Zeitzeugen wie Alexander Haig, George W. Bush, Norman Mailer, Carl Bernstein über die folgenschweren Entscheidungen Kissingers. Der mit großem Aufwand recherchierte Film wurde von NDR und Arte in Auftrag gegeben. Er umfasst das gesamte persönliche und politische Leben Kissingers und bietet ausreichend Argumente für die Diskussion: Wird mit der Einrichtung der „Henry-Kissinger-Stiftungsprofessur für Internationale Beziehungen und Völkerrechtsordnung“ ein mutiger Visionär geehrt – oder ein kaltblütiger Machtpolitiker?

Der Dokumentarfilmer Stephan Lamby wuchs in Bonn auf und lebt heute in Hamburg. Für seine Filme über Politiker wie Angela Merkel, Helmut Kohl, Fidel Castro, Joschka Fischer, sowie über die Finanz- und Eurokrise hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Deutschen Fernsehpreis und den Hanns-Joachim-Friedrichspreis.

Veranstaltung:

„Henry Kissinger – Geheimnisse einer Supermacht“, 90 Minuten,  am Dienstag, den 3. Juni, 19:00 Uhr  im Hörsaal XVII im Hauptgebäude der Universität Bonn, Regina-Pacis-Weg 5  im Anschluss Diskussion u.a mit Filmemacher Stephan Lamby, Veranstalter: Initiative Zivile Uni Bonn

Foto: Joker

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