14. Juli 2014.

Ein mal im Monat veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) im eigenen Hause eine Gesprächsrunde, in der Forschung auf Praxis treffen soll. Vergangenen Donnerstag, am 10. Juli, diskutierten Prof. Ulrich Köpke (Universität Bonn) und Herr Dr. Stephan Krall (GIZ) geleitet von Katja Nellissen die Frage, ob mit ökologischer Landwirtschaft die Welternährung gesichert werden kann. „Bio für alle – Kann ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren?“ lautete der Titel der Veranstaltung, der zwei Stunden lang den Anlass zu intensiver und kontroverser Diskussion gab.

Prof. Ulrich Köpke ist Direktor des Instituts für ökologischen Landbau in Bonn und als solcher nicht nur Experte, sondern auch Befürworter des ökologischen Landbaus. In seinen Ausführungen zeichnet er ein realistisches Bild von dem, was Ökolandbau vermag oder nicht vermag. Die Frage, ob ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren kann, trifft seiner Ansicht nach nicht den Kern des Problems. „Produziert wird bereits genug“, um die Welt zu ernähren und Hunger zu vermeiden müssten die Stellschrauben in anderen Bereichen der Gesellschaft gedreht werden. Tatsächlich ist es so, dass aktuell noch immer mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Produkte weggeworfen wird oder verdirbt, bevor sie die Konsumenten erreicht. Was in einigen Regionen der Erde an Überangebot da ist, fehlt in anderen, wo noch immer 860 Millionen Menschen an Hunger leiden.

Die Stellschrauben, von denen hier die Rede ist, liegen im Bereich der Gesetze der Märkte, der politische Regelungen, der logistischen und technischen Lösungen zur effizienteren Lebensmittellagerung und -verteilung sowie des Bewusstseins der Menschen. „Bio für alle“ hält Köpke derzeit für unrealistisch, weil es darum gehen muss, in einem demokratischen Prozess mit den richtigen Argumenten die für die Gesellschaft bessere Option durchzusetzen, was immer ein langwieriger Prozess ist und kaum zu 100 Prozent gelingen kann. Er setzt dabei vor allem auf die Generierung von fundiertem Wissen, das die Grundlage für die richtigen gesellschaftlichen Entscheidungen bilden soll.

Das Prinzip, an dem sich die GIZ seit einigen Jahren orientiert, ist das der Standortgerechtigkeit. Weltweit betrachtet sei die biologische Landwirtschaft nicht immer die richtige Lösung, sagt Dr. Krall, der das Sektorvorhaben Nachhaltige Landwirtschaft der GIZ leitet. Die Anbaumethode müsse immer an die jeweiligen regionalen Standortbedingungen angepasst sein. Außerdem sieht er eine Grenze der biologischen Produktion in der Kaufkraft einer Gesellschaft. Aktuell würden in Entwicklungsländern vor allem „Luxusgüter“ nach ökologischen Kriterien produziert, die für den Export in die kaufkräftigeren Industrienationen bestimmt sind. Dazu zählen vor allem Kaffee, Kakao, Tee und verschiedene Früchte. Im eigenen Land gäbe es dafür oft ebenso schlechte Absatzmärkte wie für biologisch produzierte Grundnahrungsmittel. Konventionell zu wirtschaften rechne sich daher in vielen Ländern besser und sei für Kleinbauern, die ansonsten in Armut leben würden, oft die geeignetere Alternative.

Ein Gegenbeispiel aus Indonesien bringt Romina Vianden-Prudent aus dem Publikum, die für Susila Dharma Soziale Dienste e.V. tätig ist. In einem Projekt mit Kleinbauern setzte der Verein lange Zeit auf konventionelle Landwirtschaft, um in dem Schwellenland konkurrenzfähig zu bleiben und die Lebensbedingungen der Bauern verbessern zu können. Die Erfahrung zeigte jedoch bald, dass sich der konventionelle Anbau nicht rechnete, so dass alle Höfe wieder auf Ökolandbau umgestellt wurden. Für eine Gesamtbewertung der Standortgerechtigkeit im Sinne der GIZ sei es wichtig, dass solche Geschichten auch gehört und ernst genommen würden.

Aktuell werden weltweit 0,9 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche nach ökologischen Kriterien bewirtschaftet. In Deutschland sind es in etwa 6,5 Prozent, die Bundesregierung sieht in absehbarer Zeit 20 Prozent vor. Wie die Entwicklung weltweit weitergehen wird, lässt sich kaum abschätzen. Fest steht jedoch, dass unter dem Aspekt der Ressourcenschonung und des Biodiversitätserhalts eine weltweite Zunahme ökologischer Anbaumethoden zu begrüßen wäre.

Foto: Ines C. Schäfer

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