29. Juli 2014.

Felix Weth tingelt durch Deutschland und kündet von einer Idee: Eine fairere Wirtschaft, in der nicht die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden, die bei gerechtverteilter Teilhabe transparent und für alle verständlich ist und gemeinwohlorientierte Entwicklungen in der Gesellschaft stärkt. Das klingt erst mal nach Idealismus pur. Doch Felix Weth hat auch einen Plan. Geno 2.0 heißt das Modell, das er und seine MitstreiterInnen bei Fairnopoly in Berlin ausgearbeitet haben und das in der Hauptstadt bereits um sich zu greifen beginnt. Am 22. Juli war Weth in Bonn und hat sein Modell im La Familiär einem interessierten Publikum vorgestellt.

Vor ungefähr anderthalb Jahren startete eine handvoll kreativer Köpfe eine „faire Alternative zu den Marktriesen Amazon und Ebay“, wie Weth das Projekt umschreibt. Fairnopoly versteht sich als Onlinemarktplatz, der einen verantwortungsvollen Konsum im Internet ermöglicht. Im Vordergrund stehen Produkte, die nach ethischen Kriterien produziert oder fair gehandelt wurden, die umweltverträglich oder wiederverwertet sind oder einfach nur gebraucht. Grundsätzlich dürfen alle Produkte ungeachtet ihres Herstellungsverfahrens angeboten werden, der verantwortungsvolle Konsum regelt sich dann über Filter wie „fair“, „öko“, „neu“ und „gebraucht“.

Aktuell zählt Fairnopoly etwa 5.000 Nutzer. Um es mit derzeitigen Marktführern wie Amazon mit seinen weltweit 237 Millionen aktiven Kunden-Accounts aufnehmen zu können, sind noch ein paar Entwicklungsschritte nötig, die Fairnopoly entschlossen gehen will. Die große Herausforderung wird dabei sicherlich sein, demokratisch und von Grund auf fair zu bleiben. Denn das ist die Vision des Unternehmens: Ein Global Player zu werden und dennoch das Wohl der Menschen und eine faire Gewinnverteilung nie aus den Augen zu verlieren. Das braucht ein gutes Fundament.

Dieses Fundament liefert die Rechtsform, auf die sich Fairnopoly gründet. Genossenschaften gibt es schon seit über 100 Jahren, ihr Potenzial für eine gerechte Zukunftsgestaltung wird jedoch häufig übersehen. Fairnopoly nutzt die Genossenschaft als rechtlichen Rahmen, der sehr frei ausgestaltet werden kann und somit die Verankerung demokratischer Prinzipien und einer fairen Wirtschaftsweise zulässt. Geno 2.0 ist der Name dieser demokratischen und fairen Genossenschaft, die auch anderen Unternehmen als Vorbild und Modell der Zukunft dienen kann.

Zehn zentrale Eigenschaften charakterisieren das Modell: Die Verankerung fairer Grundprinzipien in der Satzung, eine konsequente Verantwortlichkeit gegenüber allen Beteiligten, Unabhängigkeit von Partikularinteressen, Transparenz, Gewinnverteilung, Berücksichtigung von Gründungsleistungen, Einbindung der NutzerInnen, demokratische Einbindung der MitarbeiterInnen, konsequente Nutzung der „Magie der Crowd“ sowie die Weiterentwicklung über Open Source und Open Innovation.

Wie ernst es Fairnopoly mit diesen Kriterien ist zeigt sich daran, dass das Unternehmen sein Bankkonto im Internet offenlegt, was bisher weltweit einmalig ist. Die faire Gewinnverteilung geschieht über ein 25%-System. Wenn das Unternehmen Gewinne erzielt, werden 25% davon an die Mitglieder ausgeschüttet, die Genossenschaftsanteile besitzen.Weitere 25% gehen über FAIR Founding Points an Mitglieder, die das Unternehmen durch eine freiwillige Arbeitsleistung unterstützt haben. Die restlichen 50% teilen sich in Spenden an gemeinnützige Organisationen und die Weiterentwicklung des Unternehmens auf.

Das ist im Moment jedoch noch Zukunftsmusik, denn aktuell trägt sich Fairnopoly noch nicht selbst und ist auf Unterstützung angewiesen. Über das Projekt 10.000 besteht die Möglichkeit, Anteile der Genossenschaft zu erwerben und sich aktiv einzubringen. Wer Felix Weth am Dienstag hat reden hören, zögert mit Sicherheit nicht lange. So viel Idealismus und Tatendrang stecken an. Und eine Online-Plattform, auf der einem ein verantwortungsvoller Konsum so leicht gemacht wird, ist mehr als unterstützenswert. Ob sich weltweite Marktführung und Geno 2.0 tatsächlich miteinander vereinen lassen, wird sich allerdings erst noch zeigen müssen.

 

Foto: (c) Alexander Stein/JOKER

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