3. September 2014.

Eine besondere Art des Zusammenkommens ist das Cohousing-Essen in der ehemaligen Ermekeilkaserne. Es findet jeden Mittwoch statt. Bei diesem gemeinsamen Essen geht es vor allem um Kommunikation und Beisammensein. Das zeigt sich besonders deutlich durch das gemeinsame Kochen, bei dem jeder willkommen ist. Wer noch unerfahren ist, kann selbstverständlich erst einmal nur zuschauen und beim vegetarischen Essen die interessanten Gespräche genießen. Rhein:raum wollte mehr über das Projekt und der Idee des Cohousings erfahren. Am vergangenen Mittwoch kam es zu einem angenehmen Interview mit der Initiatorin des Essens; Ursula Neumann, sowie weiteren Mitgliedern der Cohousing-Gruppe; Hartmut Göbelsmann und Gudrun Schwozer.

Um die Idee hinter dem Essen verstehen zu können sollte der Begriff Cohousing zuallererst klarer umrissen werden. Cohousing hat seine Wurzeln in Skandinavien (Dänemark). Es ist eine Form des gemeinschaftlichen Wohnens, bei der Menschen neben ihren privaten Wohnungen in einem Gebäudekomplex mit vielen Gemeinschaftsräumen zusammenleben. Dabei ist die Küche das Herz der Gemeinschaft. Dort wird in Gruppen zusammen gekocht. Genau daran orientiert sich die Cohousing-Gruppe der Ermekeilinitiative. Sie wollen ein Cohousing-Projekt auf dem Gelände der leerstehenden Ermekeil-Kaserne verwirklichen.

Hartmut ist bei der Cohousing-Gruppe von Anfang an mit dabei. Zusammen mit Axel Köpsell, einem weiteren Initiator der Bonner Gruppe, besuchte er in Schweden verschiedene Co-Housing Projekte und war sofort „Feuer und Flamme“. Rhein:raum stellte ihm und den anderen Mitgliedern einige Fragen:

rhein:raum: Hartmut, wie kamt ihr auf dazu das Cohousing-Essen zu organisieren?
Hartmut: Vor zwei Jahren nach unserem ersten Besuch in Stockholm begann sich die Gruppe Cohousing zu bilden. Die Idee zum gemeinsamen Essen kam dann im Mai dieses Jahres auf. Damals waren wir 7, inzwischen sind wir aber 21 Leute. Wir haben den Wunsch 100 Leute zu werden.

rhein:raum: Was ist dir denn bei deinem Besuch der Cohousing-Projekte in Stockholm besonders aufgefallen?
Hartmut: Dort wo viele alte Leute waren fand ich es nicht besonders ansprechend. Wir wünschen uns keine „Senioren-WGs“, sondern auch viele junge Leute. Kinder sind natürlich auch erwünscht. Da ist mehr Leben. Uns ist eine gute Mischung von verschiedenen Altersgruppen sehr wichtig.

rhein:raum: Es lässt sich also feststellen, dass das Cohousing-Essen hier schon einmal einen kleinen „Vorgeschmack“ auf das gemeinsame, generationsübergreifende Wohnprojekt bietet. Wie kocht ihr denn genau? Eher traditionell oder exotisch?
Hartmut: Wir kochen sehr multikulturell. Hier gibt es keine Astronautenkost, sondern auch Gerichte aus fremden Ländern wie zum Beispiel dem Senegal. Vor Kurzem habe ich das tibetische Nationalgericht „Dal Bhat“ gekocht. Ich habe es in Nepal kennengelernt. Dieses Gericht besteht hauptsächlich aus Linsen und Reis und wird stark mit Ingwer gewürzt. Was es hier besonders oft gibt sind Salate mit Kapuzinerkressenblüten. Ich habe erst hier gelernt, dass man diese essen kann.

rhein:raum: Gudrun, woher bekommt ihr denn eure Zutaten? Kocht ihr denn saisonal?
Gudrun: Wir bekommen vor allem Zutaten aus unserem Urban-Gardening-Projekt. Das ist ein kleines Gartenprojekt im Hof der Kaserne, bei dem sich jeder beteiligen kann. Es gibt also oft Gemüse, die gerade geerntet werden. Wir legen gemeinsam großen Wert darauf, dass das Gemüse frisch und aus der Region ist. Heute gibt es zum Beispiel bei uns Orangen-Ingwer-Suppe, vegetarisches Pasta asciutta und Erdbeerquark mit Weinbergpfirsichen.

rhein:raum: Ich bin selbst Studentin an der Uni Bonn. Da wirft sich mir die Frage auf wie sich das Essen in der Ermekeilkaserne von dem herkömmlichen Mensa-Essen unterscheidet?
Gudrun: Der größte Unterschied wird wohl darin liegen, dass hier vor allem mit viel Liebe und Gemüse gekocht wird.

rhein:raum: Ursula, wie bist du zu dem Cohousing-Projekt dazugestoßen?
Ursula: Ich wohne erst seit einem Jahr in Bonn und habe die Ermekeilinitiative über das Internet kennengelernt, war dann bei den Treffen dabei und fand diese sehr spannend und ansprechend. Dann kamen die Treffen der Cohousing-Gruppe mit dazu. Ich hatte diese Jahr im März die Gelegenheit bei einer „Studienreise“ nach Stockholm mitzufahren. Dort habe ich viele Cohousing-Projekte besucht.

rhein:raum: Was waren dort deine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse? Was waren deine Eindrücke?
Ursula: Die Atmosphäre bei den Projekten ist unglaublich positiv und offen. Die Leute sind zugewandt und man merkt einfach, dass sie sich dort wohl fühlen und dass das gemeinschaftliche Leben sie auch glücklich macht. Wichtig ist dabei insbesondere der generationsübergreifende Aspekt. Wir haben dort verschiedene Projekte kennengelernt auch ein Cohousing Projekt bei dem viele Menschen deutlich älter waren. Hier planen wir das ganze Projekt von Anfang an als generationsübergreifend. Wir freuen uns auf Familien mit Kindern, Alleinerziehende, Alleinstehende und Paare von jung bis ganz alt.
Als wir aus Stockholm zurück kamen, dachte ich an das Essen in Zusammenhang mit dem Urban-Gardening-Projekt. Das Kochen ist sozusagen die logische Folge wenn man gemeinsam einen Garten betreibt. Das Gemüse, dass man erntet wird dadurch dann auch verarbeitet. Mir macht es viel Spaß in großen Mengen zu kochen.

rhein:raum: Woher kommt dein Talent zur Organisation von großen gemeinsamen Essen und Kochen?
Ursula: Meine Großmutter hat schon immer für die ganze Familie gekocht, da waren mindestens 12 bis 15 Leute am Tisch. Außerdem ist es einfach schön gemeinsam am Tisch zu sitzen und zu essen. Es kocht sich auch ganz anders wenn man aus dem Vollen schöpfen kann. Für das Essen kaufe ich sehr gerne Gemüse in Bioläden in Bonn und der nahen Umgebung ein.Wenn man dort Erdbeeren kauft oder aus dem Garten Tomaten holt und noch frisch am selben Tag verarbeitet, schmeckt das nochmal viel saftiger. Da gibt es einen deutlichen Unterschied zu dem Angebot im herkömmlichen Supermarkt.

rhein:raum: Was ist dir hier beim Essen besonders wichtig und sollte nicht übersehen werden?
Ursula: Eine schöne Anrichtung ist uns sehr wichtig , wie du bereits siehst. Wir legen Wert darauf, dass man das Essen präsentiert, zelebriert und würdigt, was auch sehr wichtig für die Köche ist.

rhein:raum: Vielen Dank für das Gespräch. Wie man sieht mundet euch das gemeinsame Engagement gut. Viel Erfolg bei euren Bestreben dieses Cohousing-Projekt zu verwirklichen!

Hinweis 1: Wer mehr zum Thema lesen möchte empfehlen wir das Interview mit Axel Köpsell.

Hinweis 2: Heute Mittwoch, den 3.9. 2014, um 19 Uhr findet das Cohousing wieder statt.


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Foto: Daniel Neumann / Ermekeil-Ini

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