Siegfried Pater ist tot:

Streiter für die Menschen des Südens

10. Februar 2015.

Am 7. Februar erlag der Bonner Publizist und Aktivist Siegfried Patermit mit 69 Jahren seinem schon länger diagnostizierten Krebsleiden.Wir sind sehr betroffen über seinen Tod und möchten mit einen kurzen Text von Helmut Lorscheit an ihn erinnern. Der 2012  im „Neuen Deutschland“ erschienene Artikel gibt einen lebendigen Eindruck seines politisch hoch engagierten Lebens. (Die Redaktion)

Siegfried war zwei Jahre in Brasilien als Entwicklungshelfer. Diese kurze Zeit hat ihn für sein Leben geprägt. Zum Entwicklungshelfer wurde der gelernte Vermessungstechniker, weil der Entwicklungsdienst eine Alternative zur Bundeswehr war. In Brasilien erlebte er den Kapitalismus in Reinform, sah sich konfrontiert mit erbarmungsloser Ausbeutung, die auch vor Mord nicht zurückschreckt. Diese Erfahrung ließ ihn nicht mehr los, machte ihn zu dem kompromisslosen Kämpfer, Journalisten, Filmemacher und Buchautoren. Paters Artikel in der aufgeklärten katholischen Zeitschrift Publik Forum waren in den 70ziger Jahren oft die einzige publizistische Grundlage für bundesweite oder auch internationale Kampagnen. So war es eine Artikelserie in Publik-Forum, in der Siegfried Pater ausführlich über die Folgen eines riesigen Sobradinho Staudammprojekts in Brasilien informierte. Der über 300 kam lange und bis zu 30 km breite Sobradinho-Stausee kostete über 880 Millionen US-Dollar und wurde u.a. mit Geldern aus der bundesdeutschen Entwicklungshilfegeldern aus der Weltbank finanziert. Durch den Staudamm wurden 100.00 Menschen vertrieben. Nach Angaben des dortigen Bischofs, Dom Jose Rodrigues, gab es „für die Mehrheit der Betroffenen weder eine ausreichende Entschädigung, noch neue Wohngebiete.“

In diesem Fall sollte allerdings auch ein viel beachteter Dokumentarfilm „Terra Roubada- geraubte Erde“ von Peter von Gunten eine wichtige Rolle spielen. Er wurde 1980 vom WDR als erster Film einer heute im WDR unvorstellbar guten Reihe entwicklungspolitischer Fernsehreihe „Götter, Gräber und Experten“ in dem Beispiele für bundesdeutsche Entwicklungsprojekte vorgestellt wurden, die man als „Hilfe zur Selbsthilfe“ bezeichnen konnte – wobei die Hilfe überwiegend bei Deutschen Firmen ankam. Nicht weiter erstaunlich, Fachberater für diese Filmreihe war Siegfried Pater.

Immer wieder hat er Kampagnen angestoßen, ob gegen wahnwitzige Industrieprojekte oder gegen skrupellosen Diamanthandel oder Organhandel –meist als Leitfigur einer Kampagne. Weggefährten aus früheren Jahren wie etwa Gerd Eisenbürger und Werner Rätz von der „Informationsstelle Lateinamerika (ila) bezeichnen ihn als „typischen Einzelkämpfer.“ Der hat sich immer punktuell engagiert, er ließ sich nicht gerne einbinden. Vorträge ja – aber Mitgliedsversammlungen, auf denen auch über Vereinsstrukturen beraten werden mußte, wo Vereinsvorstände Beschlüsse einer Mitgliederversammlung umsetzen müssen– das ist nicht die Welt des Siegfried Pater.

Zwei Jahre ertrug er die Formalien und Regularien, die ungeheure Arroganz von Ministerialbeamten und vor allem die inhaltliche Distanz. Zwei Welten trafen auf einander. Pater schreibt in seiner Biografie , ein Ministerialer aus dem Auswärtigen Amt habe ihm verärgert zugerufen „Herr Pater, wann werden Sie erwachsen?“

Wohl nie erwachsen…

Siegfried Pater erhielt auf Initiative einiger enger Freunde, die seine Arbeit seit Jahrzehnten begleiten, im Frühjahr 2014 das Bundesverdienstkreuz am Bande“ verliehen. In der Laudation wird auf seine politische Aufklärungsarbeit Bezug genommen. So wird auch die, wie es heißt „erfolgreiche Kampagne zur Fußball WM 1978 in Argentinien ‚Fußball ja- Folter nein,“ erwähnt. Die Annahme des Bundesverdienstkreuzes stieß bei einigen Weggefährten auf Unverständnis. So erklärte Werner Rätz, der mit Pater zu den Gründern der ila gehörte, er würde die Annahme des Bundesverdienstkreuzes verweigern und dies dann öffentlich begründen.

Pater sieht es pragmatisch, das Bundesverdienstkreuz, so erklärte er „habe ihm bereits weitere Türen geöffnet.“ Er werde jetzt, so Pater „nun auch von eher konservativen Menschen zu Vorträgen eingeladen,“ in denen er dann allerdings niemandem nach dem Munde redet, sondern in deutlichen Worten seine Kritik etwa an deutscher Außenwirtschaftspolitik und deren Folgen fomuliert.

Biographie:  2012 erschien Paters Biographie „Abenteuer Gerechtigkeit – in einem halben Jahrhundert um die Welt“, Retap Verlag Bonn, 288 Seiten, ISBN 978 -3 931988-28-9

Foto: Stefan Flöper (ccc)

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