Atomwaffen in der Eifel

Bonn goes Büchel 65

18. Mai 2015.

Peng. Jetzt sitze ich in den Brennnesseln. Tut mir gar nicht weh, da ich immer noch so dick angezogen bin. Eben haben mich ein Kraftmeier von Polizist und eine Polizistinnen-Blondine weggetragen. Jetzt ist die Schotterstraße vor Tor 3 wieder frei. Erst mal warten und schauen.

Es ist 15h. Die Aktionsgruppe Bonn goes Büchel 65 blockiert seit fast 7 Stunden den Haupteingang des Fliegerhorst Büchel der deutschen Luftwaffe in der Eifel. Eine gute Autostunde von Bonn entfernt. Hinter dem Tor lagern 20 amerikanische Atombomben. Jemand hat ausgerechnet, dass das die 260 fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe ist. Und auch 2015 bildet die Bundeswehr Jagdbomberpiloten dazu aus, mit deutschen Tornado-Kampfjets im Ernstfall die Bomben ins Ziel zu fliegen. Das nennt sich nukleare Teilhabe der Bundesrepublik. Wir wollen, dass das jetzt aufhört und auch die anderen 17.000 Atomwaffen weltweit abgerüstet werden. Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts 1990 steht die Welt wieder unmittelbar vor einer neuen Etappe des Wettrüstens.

Haupttor 12h. Die Sonne kommt raus. Den Morgen über wehte ein kalter Eifelwind. Ein riesiges gelbes Strick-X liegt auf der Straße und leuchtet in der Sonne. Es ist das Symbol für die Überzeugung, dass wenn viele, wenn x-Dutzend, x-hundert oder x-tausend Menschen sich gewaltfrei gegen den Irrsinn auflehnen, dass sich dann Dinge ändern können. Heute Mittag sitzen 30 Leute auf Strohsäcken vor dem Eingang. X=2,5 Dutzend, ein guter Start. Aus Euskirchen ist die Volx-Küche gekommen, um den Widerstand zu bekochen. Lecker vegan. Schön, dass ihr dabei seid!

Fazit, 17h: Wir haben das Haupttor fast 9 Stunden durch eine Sitzblockade dichtgemacht. Tor 1 war ab 13h30h zu, dann Tor 3 ab 14h30 mit Unterbrechungen. Wachmannschaften und Versorgung mussten über Schotterwege in den Fliegerhorst geschleust werden. Ein Kamerateam war fast den ganzen Tag vor Ort und es wird Beiträge in 2 Sendungen geben. Verschiedene Gruppen aus Bonn und Umgebung haben sich bei der Aktion kennengelernt. Es wurde viel gequatscht, sich ausgetauscht und vernetzt. 30 Leute werden jeweils 10 Leuten über ihre hautnahen Erlebnisse erzählen. Des Weiteren gab es Artikel in der Bonner Umweltzeitung und im Rheinraum. 2000 Flyer wurden auf verschiedenen Demos im Vorfeld gezielt an Aktive verteilt. Ein Blockadetraining hat in Bonn auf der Hofgartenwiese stattgefunden und es wurde ein Film über den Widerstand in Mutlangen gezeigt. Viele haben die Atomwaffen nicht mehr auf dem Schirm. Wir machen Grundlagenarbeit. Aber: Et bliev nix wie et wor.

Es war eine gute, eine kraftvolle Aktion. Wir wollen die Bedrohung durch Atomwaffen stören und werden weitermachen, bis die Bundesregierung dafür kämpft, dass die Atomwaffen abgerüstet werden. Vielen Dank an die Aktiven von Büchel 65. Wir werden nächstes Mal die Zahlbürsten einpacken.

Schlagworte: , , ,

Artikel zum gleichen Thema

Zum Artikelarchiv ...

Vorheriger Artikel:

Nächster Artikel:

Artikel RSS
Kommentare RSS
rhein:raum Twitter