Bonner Verkehrs- und Umweltgruppen

Kritik an den Planungen

27. Mai 2015.

massive Kritik an den Planungen zur Sanierung der Viktoriabrücke und den Planungen am Bonner Hauptbahnhof üben die Bonner Verkehrs- und Umweltgruppen ADFC, VCD, BUB, Bonn im Wandel und das Verkehrsforum Bonner Bürgerinitiativen in einem Offenen Brief an die Ratsfraktionen. Sie werfen den Planern vor, Radfahrer und Fußgänger erneut an den Rand zu drängen. Geplant werde weiter im Sinne einer autogerechten Stadt.

So fehlen auf der Viktoriabrücke die Radwege in Richtung Kaiser-Karl-Ring sowie in beiden Richtungen auf der neuen Rampe zur Rabinstraße. Durch den neuen Kreisel am Alten Friedhof und die geplante Verkehrsführung muss der Radverkehr mehrfach die Fahrbahnen kreuzen, was zu neuen Gefährdungen führt. Die massive Bebauung des Nordfeldes am Hauptbahnhof hat zur Folge, dass Fußgängern und Radfahrern in der Post- und der Maximilianstraße nicht genügend Raum zur Verfügung gestellt wird.

Die unterzeichnenden Vereine und Bürgerinitiativen machen in dem Brief konkrete Gegenvorschläge zu den vorgelegten Planungen fordern erneut eine Unterbrechung des Cityrings für den Autoverkehr vor dem Hauptbahnhof.

 

Hier der Brief im Wortlaut:

ADFC Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg /// Bonn im Wandel /// Bürgeraktion Umweltschutz Bonn (BUB) im Ökozentrum Bonn /// VCD–Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg/Ahr /// Verkehrsforum Bonner Bürgerinitiativen

 

An die Fraktionen im Rat der Stadt Bonn
Altes Rathaus
Markt
53111 Bonn

 

Betr.: Verbesserung der Planungen Sanierung Viktoriabrücke, Neubau Kreisel Alter Friedhof und Bebauung Nordfeld

Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Bonner Umweltverbände fordern deutliche Verbesserungen zugunsten der Fußgänger und Radfahrer bei den Planungen, die bei den Bürgerinformationsversammlungen am 17.04.2015 im Stadthaus vorgestellt wurden:

  • Sanierung der Viktoriabrücke und Neubau einer Rampe in Richtung Hauptbahnhof
  • Verbreiterung der Unterführung zwischen Alten Friedhof und Endenicher Straße
  • Bau eines Kreisels am Alten Friedhof
  • Bebauung des Nordfelds gegenüber dem Bonner Hbf.

In den kommenden Jahren soll der komplette Bereich vom Hbf. bis zur Viktoriabrücke neu gestaltet und somit auch verkehrlich neu geregelt werden. Mit den bestehenden Planungen wird die Chance zur Verbesserung der Nahmobilität jedoch kläglich vergeben und stattdessen weiter im Sinne einer autogerechten Stadt gebaut. Radfahrer und Fußgänger werden vor dem Bonner Hauptbahnhof und von dort in Richtung Viktoriabrücke weiterhin an den Rand gedrängt.

Wir gehen im Folgenden kurz auf die kritischen Stellen der einzelnen aktuellen Planungen ein und nennen anschließend unsere Verbesserungsvorschläge:

Unterführung zwischen Alter Friedhof und Endenicher Straße

Die Verbreiterung und barrierefreie Gestaltung der Unterführung sind eine gute Maßnahme. Allerdings wird auch eine breitere und fahrradtaugliche Unterführung nicht den kompletten Radverkehr, der heute über die Viktoriabrücke fließt, aufnehmen. Es ist vielmehr fraglich, wie viele Radfahrer überhaupt diese Verbindung nutzen werden. Gut vorstellbar, dass – vor allem nachts – die lange Röhre für viele einen Angstraum darstellen wird.

Bei den Rampen auf beiden Seiten der Unterführung sind viel zu scharfwinklige Richtungswechsel geplant.

Viktoriabrücke und Rampe

Auf der Viktoriabrücke fehlen die Radwege in Richtung Kaiser-Karl-Ring sowie in beiden Richtungen auf der neuen Rampe zur Rabinstraße.

Kreisel am Alten Friedhof

Der Kreisel zwischen Rabinstraße, Thomastraße und Am Alten Friedhof weist beim aktuellen Planungsstand erhebliche Mängel für den Fuß- und Radverkehr auf – vor allem im Bereich der Verkehrssicherheit. Das Hauptproblem stellt die Radwegeführung in Form des verspringenden Zweirichtungsradwegs dar: Vor dem Hauptbahnhof und entlang der Rabinstraße soll dieser bahnseitig verlaufen und ab der Thomastraße auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wo sich auch der Anschluss zur Unterführung befindet. Hier muss der Radfahrer fünf Straßenspuren (2 mal Rampe, 2 mal Thomastraße, 1 mal Bypass) gegen die Fahrtrichtung des Kreisverkehrs queren, was ein großes Gefahrenpotential darstellt und ein zügiges Radfahren verhindert. Zudem stellen die Bypässe, in welchen der Verkehr beschleunigt am Kreisel vorbei geführt werden soll, generell ein erhöhtes Risiko für querende Radfahrer und Fußgänger dar – auch wenn die Querungsbereiche aufgepflastert und beschildert werden.

Bebauung des Nordfeldes

Der Grundriss des Neubaus ist nach Meinung der Umweltverbände zu groß dimensioniert. Dadurch fallen die gegenüber dem Hauptbahnhof im Eingangsbereich der Stadt und im Bereich der heutigen Straßenbahnhaltestelle befindlichen Fahrradabstellanlagen weg. Fußgängern und Radfahrern wird in der Post- und der Maximilianstraße nicht genügend Raum zur Verfügung gestellt. Außerdem wird die Verlängerung des Florentiusgrabens als Fahrradstraße zu wenig (nur von einem Investor) berücksichtigt.

Verbesserungsvorschläge zu der aktuellen Planung:

Als wichtigste und dringendste Verbesserung wiederholen wir die alte Forderung der Umweltverbände: Die Unterbrechung des Cityrings vor dem Hauptbahnhof und die Abkehr der Planung eines bahnseitig gelegenen Zweirichtungsradwegs. Die Radfahrer werden stattdessen gemeinsam mit den verbleibenden Straßenbahnen, Bussen und Taxis auf der Straße geführt. Auch auf der Rabinstraße erhalten Radfahrer an beiden Straßenseiten je einen Einrichtungs-Radweg. Im neuen Kreisel wird der Radverkehr mit dem MIV im Kreis geführt, auf der Rampe zur Viktoriabrücke und auf der Thomastraße erhalten die Radfahrer großzügig dimensionierte Radfahrstreifen. Dadurch fallen die gefährlichen Querungen beim Kreisel weg und die Fußgänger freuen sich über mehr Platz und weniger Konflikte mit Radfahrern.

Sollten sich Politik und Verwaltung partout nicht von den Zweirichtungsradwegen abbringen lassen, empfehlen wir zur Entschärfung der Querungen am Kreisel eine Rad- und Fußwegeführung über eine Brücke auf die gegenüberliegende Seite der Thomastraße.

Bypässe stellen ein erhebliches Sicherheitsrisiko für den Fuß- und Radverkehr dar. Wir fordern deshalb den Bau eines einfachen Kreisels ohne Bypässe.

Der Bypass von der Rabinstraße zur Straße Am Alten Friedhof ist verkehrlich nach der Abbindung des Durchgangsverkehrs vor dem HBF nicht mehr notwendig, da hier nur noch der Verkehr zu und aus den Tiefgaragen der Innenstadt und dem Parkhaus Rabinstraße fließt.

Wünschenswert ist auch der Verzicht auf den anderen Bypass am Alten Friedhof. Der Bypass benötigt unnötig viel Platz zu Lasten aller anderen Verkehrsteilnehmer und zu Lasten der grünen Lunge des Alten Friedhofs.

Man muss davon ausgehen, dass die Viktoriabrücke nach den Umbauten in alle drei Richtungen stark von Radfahrern frequentiert wird. Deshalb fordern wir großzügig dimensionierte Radfahrstreifen – unbedingt auf der Straße – die in beide Richtungen sowohl auf der Brücke als auch auf der Rampe angelegt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Verkehrssicherheit der Radfahrer im Bereich der Rechtsabbieger in beiden Richtungen auf der Viktoriabrücke. Hier sollte sich an der jetzigen Radwegeführung auf der Brücke in Richtung Endenich orientiert werden: Der Radweg bleibt möglichst lange auf der rechten Seite der Rechtsabbieger, was gute Sichtbeziehungen gewährleistet, und quert dann den Rechtsabbieger bevorrechtigt.

Bei den Knickpunkten der Rampen der Unterführung fordern wir großzügige Kurvenradien, um gute Sichtbeziehungen zu gewährleisten und gefahrlos die Kurve befahren zu können. Eventuell ist auch möglich, die Rampe aus der Unterführung geradeaus in die Endenicher Straße oder auf einen neuen Radweg hinter der nördlichen Häuserzeile zu führen.

Bei der Bebauung des Nordfeldes fordern wir die Erstellung eines Gesamtkonzeptes für Fahrradabstellanlagen im Bereich des HBF. Dieses Gesamtkonzept besteht aus vielen dezentralen, einfachen Abstellanlagen bis hin zu den einzelnen, bewachten, kostenpflichtigen Fahrradparkhäusern und Radstationen. In der Poststraße gegenüber des Hbf muss Ersatz für die wegfallenden Abstellanlagen geschaffen werden. Dieser Ersatz kann jedoch nicht ausschließlich das Fahrradparkhaus an der Rabinstraße sein, welches für einen Teil der mit Vorliebe dezentral parkenden Radfahrer zu weit weg ist. Ersatz muss in unmittelbarer Nähe der heutigen Anlagen geschaffen werden.

Weiterhin muss in allen angrenzenden Straßen (Am Hauptbahnhof, Post-, Thomas- Mann- und Maximilianstraße) ein großzügig zu kalkulierendes Raumangebot für Fußgänger und Radfahrer erhalten bleiben.

Als weiteren Punkt fordern wir die Berücksichtigung der Fahrradstraße „Florentiusgraben“ bzw. deren Verlängerung. Diese sollte nicht an der Maximilianstraße enden, sondern (wie heute über den Parkplatz) bis zur Straße „Am Hauptbahnhof“ weitergeführt werden.

Zuletzt fordern wir die Einstellung der aktuellen Planungen ins Internet, was ein erster Schritt hin zu einer besseren Bürgerbeteiligung wäre.

Foto: Peter Albaum / JOKER

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