24. November 2015.

Mit Verwunderung reagiert der ADFC auf die Entwicklung der Diskussion um die Neugestaltung des Bonner Talweges in der Bonner Südstadt. Während sich Schulkinder des Clara-Schumann-Gymnasiums und der Liebfrauenschule sowie die Kunden aus den umliegenden Straßen seit Jahrzehnten über die gefährliche Straße quälen und aufgrund des Chaos zwischen Autos, Bahnen und Schienen durchlavieren müssen, geht es aktuell in der Debatte vor allem um Parkplätze. „Die Geschäftsleute und auch Teile der Politik tun so, als hänge die Existenz der Geschäftsstraße allein von den Autofahrern als Kunden ab“, kritisiert Werner Böttcher, Planungssprecher des ADFC Bonn/Rhein-Sieg. „Der Bonner Talweg ist kein überörtliches Einkaufszentrum, das Autofahrer in Scharen ansteuern, sondern versorgt die Anwohner der Südstadt. Und die kommen auch jetzt schon überwiegend zu Fuß und mit dem Rad“, so Böttcher.

„Wir würden uns wünschen, wenn sich die Geschäftsleute und die Politik mehr darüber den Kopf zerbrechen würde, wie die Mehrheit der Kunden – Fußgänger, Radfahrer und Bahnfahrer – sicher die Geschäfte am Bonner Talweg erreichen“, so Böttcher. Dass sich die Debatte so sehr auf den Auto- und Ladeverkehr verdichtet, wundert den ADFC. Schon heute finden Autofahrer kaum einen Parkplatz, so dass Autofahrer auch kaum die geschäftliche Basis der Geschäftsleute sein können.

Kein Verständnis hat der ADFC, dass in der Debatte keine Rolle spielt, dass der Bonner Talweg auch Schulweg ist. „Wenn die Kinder über den Bonner Talweg zum Clara-Schumann-Gymnasium und zur Liebfrauenschule fahren, haben viele Eltern ein mulmiges Gefühl“, so Böttcher. „Wenn jetzt für die nächsten Jahrzehnte der Bonner Talweg im zentralen Einzugsbereich der Schulen umgebaut wird, dann ist eine akzeptable Lösung für den Radverkehr unverzichtbar. Kompromisse müssen tragfähig sein und nicht vorrangig Geschäftsinteressen befriedigen.“

Der neue Kompromissvorschlag der Koalition aus CDU, Grünen und FDP ist für den ADFC nicht akzeptabel. „Nur theoretisch wird die vorgeschriebene Mindestbreite von 1,25 m für Fahrradschutzstreifen eingehalten. Wenn eine Straßenbahn den Bonner Talweg befährt, wird der Raum zwischen Straßenbahn und parkenden Autos weiter verringert, so dass man diesen sogenannten Schutzstreifen niemandem empfehlen kann.“, so Böttcher. „Radfahrer werden regelrecht eingequetscht. So etwas vorzuschlagen und als sichere Verkehrsführung für die nächsten Jahrzehnte zu verkaufen, ist ein Unding.“

Im Bonner Talweg könnten Politik und Geschäftswelt beweisen, dass sie verstanden haben, dass die Zukunft nicht dem Auto gehört. „Schon heute kommen die meisten Kunden zu Fuß, mit dem Rad und der Bahn“, so Böttcher. „Das Auto wird in Zukunft eine immer geringere Rolle spielen, und das muss sich auch in der Aufteilung des Straßenraums im Bonner Talweg niederschlagen. Wegen ein paar Parkplätzen radelnde Schüler, Studenten und Kunden lebensgefährlichen Situationen auszusetzen, kann der ADFC nicht akzeptieren.“

Der Club macht sich für die Variante 3 des von der Stadt beauftragten Planungsbüros stark. Diese sieht 3 m breite Gehwege und beidseitig 1,60 m breite Fahrradstreifen vor. Zwar ist auch bei dieser Lösung der Sicherheitsabstand zwischen parkenden Autos und Straßenbahn gering, aber gerade noch akzeptabel. „Diese Variante ist der beste Kompromiss zwischen den Anforderungen des ÖPNV, Radfahrern, Fußgängern (auch Schulkindern) und den Bedürfnissen der Geschäftsleute. Mit gutem Willen lassen sich auch Ladezonen einrichten, um die Geschäfte zu beliefern.“

Foto: Karl-Heinz Hick / JOKER

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