Vom Engagement zum Job:

Arbeiten im Flüchtlingsbereich

24. Februar 2016.

Das berufliche Netzwerk Spinnen-Netz.ArbeitMitwirkung, das Arbeitsmöglichkeiten im gemeinnützigen Bereich aufzeigt, hat am Dienstagabend sechs Expertinnen und Experten aus der Flüchtlingshilfe eingeladen, über ihre Arbeit und berufliche Einstiegswege zu berichten. Zu Gast waren Coletta Manemann von der Stabstelle Integration, Annette Döhner vom Bildungsforum Lernwelten (IQ-Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung) Ute Harres und Daniel Appelt von der Ermekeilinitiative, Monique Wendisch, Ehrenamtskoordinatorin der Betreuungsgesellschaft für soziale Einrichtungen vom Deutschen Roten Kreuz, und Dietmar Kappe, Pressesprecher von der UNO-Flüchtlingshilfe.

Ziel der mit 50 Gästen gut besuchten Veranstaltung war, Einblicke in aktuelle Herausforderungen des Arbeitsalltags und Einstiegsmöglichkeiten in diesen Bereich zu erhalten. Konkrete Hinweise zu geplanten neuen Stellen, sinnvollen Zusatzfortbildungen sowie eigeninitiativer Arbeitgeberansprache waren der besondere Nutzen des lebendigen Austausches mit den Expertinnen.
Vielseitig, terminreich und lang gestalten sich die Arbeitstage. Während einerseits konkrete und dringliche Einzelberatungen anstehen, bedarf es gleichzeitig konzeptioneller und politischer Schritte, um grundsätzliche Fragen und Baustellen anzugehen oder weitere Akteure und Multiplikatoren zu schulen, wie Annette Döhner sagte. Alle könnten weitere Stellen gebrauchen, die jedoch nicht einfach zu finanzieren sind.

Ohne die Ehrenamtlichen könnten sie ihre Arbeit nicht stemmen. Die Redner wie auch anwesende Vertreter von weiteren flüchtlingspolitischen Vereinen betonten, wie wichtig das ehrenamtliche Engagement, Praktika oder Aushilfsstellen als vorberufliche Erfahrung für diesen Bereich seien und dass es oft einen möglichen Einstiegsweg bildet. Denn hier gewinnen Ehrenamtliche Erfahrungen und knüpfen Kontakte. Während Coletta Manemann von der Stabstelle Integration betonte, wie wichtig diese in ihrer Arbeit die Fähigkeit zum vernetzten Querschnittsdenken sei, hob Monique Wendisch die Bedeutung von weiteren Fremdsprachen außer Englisch hervor: Arabisch, Kurdisch oder Farsi seien sehr gefragt. Aktuell könne man hier in Bonn auf günstige Weise Kurse belegen. Bei klaren beruflichen Vorstellungen lohne sich v. a. bei den großen Einrichtungen eine Initiativbewerbung, so Manemann.

Die Veranstaltung fand in einem von der Ermekeilinitiative bereitgestelltem Raum in der Ermekeilkaserne statt, die in wenigen Tagen vom BAMF in großen Teilen übernommen werden soll. Eindrücklich schilderte die Initiative ihre Arbeit und Projekte der interkulturellen Begegnung, die von Kontakt-Cafés und gemeinsamen Koch-Abenden, über Näh- und Reparier-Nachmittage, Nähen und Schreinern bis hin zum öffentlich sichtbaren Gärtnern im Hof reicht. Diese Angebote gelebter Integration und Räume der Begegnung drohen nun wegzufallen.

Warum macht das Spinnen-Netz Veranstaltungen dieser Art?

Einstiegswege in sinnstiftende Arbeitsbereiche sind langwierig und intransparent. Ein großer Anteil der Stellenbesetzung läuft über informelle Wege und persönliche Kontakte. Während gut ausgebildete Arbeitssuchende hochmotiviert für den beruflichen Einstieg im flüchtlingspolitischen Bereich sind, gestalten sich Ausschreibeverfahren und Bewerbungsprozesse oft zäh und von hoher Konkurrenz gezeichnet. Mehrere Hundert Bewerber tummeln sich auf eine Ausschreibung, zugleich sind die Stellen oft befristet. Hinzu kommt, dass im behördlichen Bereich starre Qualifikationsvorgaben bestehen, die einem Sozialwissenschaftler nicht zutrauen, eine Projektleitung mit beratenden Elementen zu übernehmen, da formal ein sozialpädagogischer Abschluss und entsprechende Besoldung vorgesehen ist. Bei nicht staatlichen Stellen, wie dem Bildungsforum Lernwelten, komme es dagegen v. a. auf die inhaltliche Motivation und berufliche Erfahrung an, der formale Abschluss sei zweitrangig. Eine diffuse Hilfsbereitschaft allein reiche nicht.

Foto: Spinnen-Netz

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