16. August 2016.

Der Bonner Stadtrat hat in seiner Sitzung am 30.6.2016 den Verkauf städtischer Liegenschaften vor dem Bonner Hauptbahnhof an den Investor TenBrinke beschlossen. Mit einer aktuellen Online-Petition plädiert nun eine Bonner Bürgerin für einen echten Neuanfang der Planungen vor dem Bahnhof und ein Bürgerbegehren, um den Verkaufsbeschluss zu stoppen. Viva Viktoria! hat daraufhin den Sachverhalt juristisch prüfen lassen. Ergebnis: Ein kassierendes Bürgerbegehren gegen den Verkauf städtischer Liegenschaften innerhalb von drei Monaten nach Ratsbeschluss ist tatsächlich möglich.

Hintergrund der Stadtratsentscheidung vom 30.6.2016 ist ein jahrelanges Ringen um eine mehr oder weniger bürgernahe Planung und Neugestaltung des Bonner Bahnhofsvorplatzes. Nach vielen Jahrzehnten „Bonner Loch“ wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger für die Zukunft einen großzügigen Bahnhofsvorplatz, ein repräsentatives Eingangstor zur Stadt.
So forderten die Bürgerinnen und Bürger noch im Frühjahr 2016 im Rahmen des von der Stadt durchgeführten Zukunfts–Bürgerforums Bonn 2030+ einen „offenen“ und „hellen Bahnhofsvorplatz“. „Der jetztige Beschluss zum Verkauf städtischer Flächen an den Investor TenBrinke ist eine Bankrotterklärung der Bonner Stadtentwicklungspolitik und offensichtlich eine Verzweiflungstat aus Mangel an Alternativen!“ sagt Axel Bergfeld, Vorstand des Viva Viktoria! e.V..

Die Pläne der Investoren, denen der Stadtrat soeben mehrheitlich zugestimmt hat, sehen einen forcierten Ausverkauf, eine weitgehende Privatisierung und eine radikale Kommerzialisierung städtischer Flächen vor dem Bonner Hauptbahnhof vor. Der öffentliche Raum wird auf ein Minimum geschrumpft. Statt eines großzügigen Platzes entsteht ein enger Trichter vor dem Hauptbahnhof. Dessen Zentrum wird zusätzlich von den Zu- und Abgängen zur U-Bahn und U1-Ebene aufgebrochen und schluchtartig beidseitig von vier-geschossigen Einkaufscentern vom Investorenreißbrett gesäumt. „Mit dieser Entscheidung wird das Stadtbild für das kommende Jahrhundert festgelegt,“so Bergfeld. „Die Politik beerdigt damit endgültig auch den letzten Rest eines Platzes vor dem Hauptbahnhof für die kommenden Jahrzehnte.“

Der als Hauptmieter der Gebäude vor dem Bonner Hauptbahnhof vom Investor vorgesehene Textildiscounter treibt die uninspirierte architektonische Planung auf die Spitze: Am Hauptbahnhof sollen die Besucher der Nachhaltigkeits- und FairTrade-Town Bonn zukünftig durch den für seine Niedrigpreise und Wegwerfmentalität in die Schlagzeilen geratenen Textil-discounter PRIMARK begrüßt werden. „Mit diesem Etikettenschwindel macht sich Bonn nach WCCB und Festspielhaus erneut national und international lächerlich!“ stellt Bergfeld fest.

Viva Viktoria! gibt bürgerschaftlichem Engagement und bürgerschaftlicher Initiative in der Stadtentwicklung eine Stimme und streitet seit 2015 für eine neue Beteiligungskultur in Bonn. Im Viktoriaviertel – und an anderen Orten Bonns. Mit der juristischen Prüfung der Möglichkeit eines Bürgerbegehrens Bahnhofsvorplatz unterstützen wir aktuell die Bonnerinnen und Bonner mit unserem Know How, die sich mit der uninspirierten Allerweltsplanung im Herzen Bonns nicht abfinden wollen. „Es ist spät für einen Neuanfang. Aber noch nicht zu spät!“ sagt Bergfeld. „Bonn sollte Mut zu einem radikalen Neuanfang beweisen und – analog zum Viktoriaviertel – gemeinsam mit der Stadtgesellschaft jetzt eine attraktive, urbane Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes entwickeln!“

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